Für Kontaktallergien gibt es keine Immuntherapie

Duftstoffe sind häufig Auslöser von Kontaktallergien - sie stecken in vielen Kosmetika. (Foto: Franziska Koark)

Starker Juckreiz und rote Haut auch noch Tage später: Das sind die typischen Anzeichen einer Kontaktallergie. Sie wird durch bestimmte Stoffe wie Nickel in Jeansknöpfen oder Duftstoffe in Kosmetika ausgelöst.

Im Laufe der Zeit werden die entzündlichen Hautbeschwerden immer schlimmer und können sich zu einem chronischen Kontaktekzem entwickeln, wenn der Betroffene weiterhin mit dem Auslöser in Berührung kommt. Schon die ersten Symptome einer akuten Kontaktallergie sollten zum Hautarzt führen. Um herauszufinden, ob die Entzündung tatsächlich auf einer Kontaktallergie beruht und welcher Stoff der Auslöser ist, wenden Hautärzte den sogenannten Epikutantest an. Dabei werden verdächtige Stoffe in einer speziellen Zubereitung in Testkammern auf die Haut des Patienten aufgebracht. Sie bleiben dort 24 oder 48 Stunden. "Dann schaut der Arzt sofort und mehrere Tage hintereinander nach Veränderungen", erklärt Arno Köllner vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD). Er müsse erkennen, ob es sich nur um eine Reizung oder tatsächlich eine allergische Reaktion handelt.

Dieser verordne in der Regel eine kurze Zeit anzuwendende kortisonhaltige Creme, "damit die Haut schnell abheilt", sagt Elsbeth Oestmann vom Allergie-Centrum der Charité in Berlin und Expertin der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF). Wichtig sei, sich bei der Anwendung genau an die Vorgaben des Arztes zu halten. Ist der Auslöser gefunden, bekommt der Patient einen Allergiepass, in dem die Substanzen vermerkt sind, die er nicht verträgt. Dort ist auch angeben, wo diese Stoffe am häufigsten vorkommen. Eine Alternative zur Meidung der Stoffe gibt es nicht - anders als bei einer Pollenallergie ist keine Immuntherapie (Hyposensibilisierung) möglich. In der Regel bleibt eine Kontaktallergie ein Leben lang bestehen.

Kritische Substanzen

Nickel ist der häufigste, aber bei weitem nicht der einzige Stoff, auf den viele Menschen allergisch reagieren. Auch sechswertiger Chrom, wie er zum Färben von Leder verwendet wird, kann böse Folgen haben, genauso wie Substanzen in künstlichen Fingernägeln oder Duft-, Farb- und Konservierungsstoffe in Putzmitteln oder Kosmetika. Naturkosmetik sei keine Alternative, betont Fuchs: Denn auch sie enthält oft Kontaktallergene. "Ich empfehle chemische Produkte ohne Duft- und Konservierungsstoffe, dann sind die Patienten geschützt."

Anders als eine Pollenallergie äußert sich eine Kontaktallergie nicht sofort. "Zwischen Stunden und Tagen" dauere es, wie der in Duisburg niedergelassene Hautarzt Köllner sagt. Mediziner sprechen daher von einer Spättyp-Allergie. "Zunächst muss durch Kontakt zwischen dem Allergen und der Haut eine Sensibilisierung stattfinden", erläutert Oestmann. "Dabei lagert sich das Allergen- oder Allergenteile an bestimmte Zellen, die T-Lymphozyten, im Gewebe an." Dieser Vorgang dauere mehrere Tage.

"Wenn man erneut mit dem Allergen Hautkontakt hat, führen diese aktivierten und sensibilisierten T-Lymphozyten zu einer überschießenden Immunreaktion", ergänzt Oestmann. Es komme zu einer Entzündung der Haut, dem allergischen Kontaktekzem: Die Haut rötet sich, es entstehen Bläschen, hinzu kommt ein starker Juckreiz.

Die Broschüre "Bewusster leben mit Kontaktallergien" steht im Internet unter http://asurl.de/m-v als Download zur Verfügung.

dpa-Magazin / mag
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