Genuss statt Verzicht ist der richtige Weg

Gesunde Ernährung kann auch Genuss sein. (Foto: Helios Kliniken)

Die Zahl der von Essstörungen betroffenen Menschen hat in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen. Insbesondere Fettleibigkeit ist ein Problem in Deutschland. Nur wenige Betroffene lassen sich frühzeitig behandeln - dabei gibt es effektive Therapiemöglichkeiten.

Die Zurückhaltung der Betroffenen basiert nicht selten auf einem Mythos: "Wie ein Großteil der Bevölkerung werten die meisten Betroffenen die Fettsucht nicht als Krankheit, sondern als Folge des eigenen Fehlverhaltens, das die Betroffenen mit Disziplin und gutem Willen ändern könnten", sagt Dr. med. Sebastian Hartmann, Chefarzt der Psychosomatik der Helios Klinik Schwedenstein in Pulsnitz. Eine Behandlung der Adipositas sollte am besten erfolgen, bevor gesundheitliche organische Schäden eingetreten sind. Die Patienten müssen ihr Essverhalten nachhaltig ändern, denn darin liegt der Schlüssel für die Genesung. In einer psychosomatischen Klinik werden sie hierbei von einem Team aus Verhaltenstherapeuten, Internisten, Ernährungsberatern und Sporttherapeuten unterstützt.Der erste Schritt ist die Verhaltenstherapie: Bei den meisten krankhaft Übergewichtigen ist das Essen nicht mit Genuss verbunden ist, sondern vielmehr mit der Regulation ansonsten nicht bewältigbarer, psychischer Spannungszustände. Im übermäßigen Essen drücken sich Gefühle wie Einsamkeit, Wut, Trauer, Stress, Frustration oder Langeweile aus. In der Verhaltenstherapie lernen und üben sie den Umgang mit diesen Gefühlen. Diese dauert stationär vier bis sechs Wochen und wird anschließend meist ambulant über ein bis zwei Jahre fortgesetzt - angepasst an die Bedürfnisse der Patienten. "Ziel ist es, die Bedeutungserweiterung zurückzunehmen, die das Essen bei vielen Adipösen über lange Jahre erfahren hat, damit sie das Essen wieder als das erleben können, was es ist: eine möglichst genussvolle Befriedigung von Hunger und Appetit", erklärt Dr. Sebastian Hartmann.

Darüber hinaus müssen die Betroffenen im zweiten Schritt nachhaltig ihre Ernährung umstellen. Die Erfahrung, dass gesunde und selbstgekochte Mahlzeiten schmackhaft sein können, fördert die Übernahme der neu erlernten Essgewohnheiten in den Alltag. Der dritte Schritt ist ebenso wichtig: die begleitende Sporttherapie. Sie soll den Patienten, wieder Freude an körperlicher Bewegung vermitteln. Oft schämen sie sich für ihren Körper und haben deshalb jegliche sportliche Aktivität seit langem eingestellt. "Die Behandlung funktioniert zudem am besten, wenn sie nicht auf Zwang basiert, sondern auf Genuss", erklärt Dr. Sebastian Hartmann.


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