Hürdenfreie Sprachentwicklung bei Kleinkindern

Eine Innenohrprothese kann schwerhörigen Kindern helfen, Sprache und Geräusche wahrzunehmen. (Foto: Peter Endig)

Je früher eine Schwerhörigkeit behandelt wird, desto besser kann sich ein Kind weitgehend normal entwickeln. Eltern können einem Hörproblem ihres Nachwuchses zum Beispiel auf die Spur kommen, wenn ein Säugling nach sechs Monaten aufhört zu brabbeln.

"Eine frühe Behandlung der Schwerhörigkeit innerhalb des ersten Lebensjahres ist wichtig, um irreversible Defizite in der Hörbahnreifung zu verhindern", erläutert Robin Hübner, Facharzt für Phoniatrie, Pädaudiologie und Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde in Münster. "Erfolgt eine Stimulation der Hörbahn im ersten Jahr nicht oder nur unzureichend, kann dies später nicht nachgeholt werden."Eine nicht therapierte Schwerhörigkeit in dieser besonders sensiblen Phase führt dazu, dass die Kinder nicht mehr richtig hören lernen und die Sprachsignale nicht angemessen analysieren können. Das Sprachvermögen und letztlich die gesamte Entwicklung des Kindes bleiben dauerhaft beeinträchtigt.

Bei angeborener oder frühkindlicher Schwerhörigkeit liegt häufig ein Defekt des Innenohrs, genauer der Hörschnecke (lateinisch Cochlea), vor - eine sogenannte Innenohrschwerhörigkeit. Wird diese diagnostiziert, ist zwar keine Heilung möglich. Moderne kindgerechte Hörgeräte können jedoch vielen kleinen Patienten zu einem guten Hörergebnis und einer normalen Entwicklung verhelfen. Ihr Einsatz ist schon bei ganz jungen Säuglingen möglich. Technisch ließen sich alle Hörtestverfahren in diese Hörgeräte programmieren und somit an das Gehör des Kindes anpassen, erläutert Jens Pietschmann, Hörgeräteakustiker in Frankfurt am Main.

Bei hochgradiger Schwerhörigkeit oder vollständiger Ertaubung reicht ein Hörgerät allerdings zumeist nicht mehr aus. In diesen Fällen ist der Einsatz von speziellen elektronischen Innenohrprothesen, sogenannten Cochleaimplantaten, eine erfolgversprechende Therapieoption. In der Regel erfolgt eine Implantation ab etwa einem Jahr. Vorab werden die Kinder mit Hörgeräten versorgt, um einer verminderten Hörentwicklung bestmöglich vorzubeugen.

Berührungsängste sollten Eltern ablegen. Jeder Tag, den sie warten, sei in der Hörentwicklung nicht mehr aufzuholen. "Die Entwicklung der Hörfähigkeit ist mit dem dritten bis vierten Lebensjahr abgeschlossen", betont Pietschmann.

Ob Kinder mit Schwerhörigkeit Hörgeräte, eine Hörprothese oder eine andere Therapie benötigen, hängt von der Ursache der Schwerhörigkeit ab. Im Kleinkindalter neu auftretende Schwerhörigkeiten sind am häufigsten durch Paukenergüsse bedingt. Dabei sammelt sich Flüssigkeit im Bereich des Mittelohrs an. Dadurch ist die Weiterleitung des Schalls zum Innenohr gestört, das selbst aber normal funktioniert. "Wenn Kinder im Alter von zwei Jahren schlecht sprechen, stellen wir häufig fest, dass eine Schallleitungsstörung vorliegt, also das Gehör für die verzögerte Sprachentwicklung verantwortlich ist", erklärt die Kinderärztin Mechthild Vocks-Hauck in Berlin. Auch diese Hördefizite werden meist im Rahmen der U-Untersuchungen entdeckt. Bei länger bestehenden Paukenergüssen wird das Trommelfell meist operativ geöffnet und dort ein sogenanntes Paukenröhrchen eingelegt. Damit lässt sich sicherstellen, dass sich das Kind gesund entwickelt.

Wer Fachärzte für kindliche Hörstörungen, Anlaufstellen für Hörscreenings und weiterführende Informationen zum Thema kindliche Schwerhörigkeit sucht, findet diese auf den Internetseiten der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie, der Aktion Frühkindliches Hören, dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte sowie dem Verband Deutscher Hörscreening-Zentralen.

Informationen der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie unter www.dgpp.de, der Deutschen Kinderhilfe unter www.fruehkindliches-hoeren.de, des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte unter http://asurl.de/e0u sowie des Verbandes Deutscher Hörscreening-Zentralen unter www.vdhz.org.

dpa-Magazin / mag
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