Keuchhusten trifft auch Erwachsene

Erst wirkt er wie ein harmloser grippaler Infekt. Dann werden die Nächte unruhig, heftige Hustenanfälle unterbrechen den Schlaf. Spätestens jetzt ist klar: Es handelt sich um Keuchhusten. Die vermeintliche Kinderkrankheit breitet sich derzeit wieder aus. Auch immer mehr Erwachsene erkranken daran.

Ausgelöst wird die Krankheit von einem Bakterium, die Ansteckung erfolgt wie bei einer gewöhnlichen Erkältung. "Bis das Keuchen losgeht, vergehen rund 14 Tage", erläutert Andreas Hellmann vom Bundesverband der Pneumologen (BdP). Das Problem: Eine Antibiotikatherapie schlägt nur an, wenn sie sehr früh begonnen wird.Hellmann empfiehlt aber, Antibiotika auch im späteren Verlauf des Keuchhustens einzunehmen. Denn sie verringern die Gefahr der Sekundärerkrankung. "Zehn bis zwanzig Prozent der Keuchhustenpatienten bekommen eine Lungenentzündung mit zum Teil kritischem Verlauf", warnt der Lungenfacharzt aus Augsburg.

Der Keuchhusten selbst ist vor allem für Säuglinge unter sechs Monaten eine echte Gefahr: Bei ihnen verläuft die Krankheit oftmals ohne den typischen Husten. Es kann aber zum Atemstillstand kommen, der zum Tod führt. "Das Bordetella-pertussis-Bakterium sondert Toxine ab, die die eigentliche Krankheit erst auslösen", erklärt Andrea Grüber vom Deutschen Grünen Kreuz (DGK) in Marburg. Die Gifte zerstören die Schleimhäute der Atemwege. Dadurch werden die stakkatoartigen Hustenanfälle ausgelöst, an deren Ende das charakteristische keuchende Einatmen steht. Erst langsam bildet sich die wichtige Schleimhaut wieder. Es ist also die Heilung, die so lange dauert.

Einen wirksamen Schutz gegen Keuchhusten bietet nur eine Impfung. Und genau da liegt das Problem des Comebacks der Krankheit: Bis 1974 wurde in ganz Deutschland geimpft, die Fälle gingen deutlich zurück. Doch der Impfstoff war weniger gut verträglich als andere. Die Impfung wurde dann in Westdeutschland nicht mehr empfohlen, viele verbinden auch heute noch die alten Probleme mit einer Keuchhustenimpfung.

Auch eine andere Fehlannahme hält sich hartnäckig - die der lebenslangen Immunität. Dabei ist in der Medizin klar: Weder eine Erkrankung noch Impfungen schützen lebenslang vor Keuchhusten. Die steigenden Fallzahlen, besonders in den Jahren 2011 und 2012, zeigen das deutlich.

Nun empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut, nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene gegen Keuchhusten zu impfen. Besonders Erwachsene, die häufig mit Kleinkindern in Kontakt sind, sollten sich impfen lassen. "Gibt es einen Kinderwunsch, so sollte die Impfung im Idealfall vor der Schwangerschaft erfolgen", rät Hellenbrand.


dpa-Magazin / mag
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