Kleine Kristalle im Innenohr lösen Schwindelattacken aus

Wenn sich alles dreht, können Stürze die Folge sein. Betroffene sollten die Ursache für Schwindelattacken daher abklären lassen. (Foto: Stephan Jansen)

Der Betroffene kann sich kaum noch auf den Beinen halten, alles um ihn herum dreht sich. Gerade im Alter kann ein höheres Risiko für Stürze die Folge von Schwindelattacken sein, und die Ursachen sollten ärztlich geklärt werden.

Tritt der Schwindel zusammen mit deutlichen Sprach-, Schluck- oder Sehstörungen auf oder Lähmungen, dann sind dies Alarmzeichen für einen Schlaganfall. "Eigentlich klappt das mit dem Gleichgewichtssinn alles automatisch, wir müssen nicht groß darauf achten beim Gehen oder Stehen", sagt Prof. Klaus Jahn vom Deutschen Zentrum für Schwindel und Gleichgewichtsstörungen in München. Doch wenn sich lästige Schwindelgefühle einstellen, sollte man seinem Hausarzt ausführlich über Dauer, Art und Weise des Schwindelgefühls berichten und auch in welchen Situationen dieser auftritt. "Denn dann ergibt sich in der Mehrheit der Fälle ein Anhaltspunkt, welche Ursache dahinter stecken könnte, teils handelt es sich um Nebenwirkungen von Medikamenten."Ganz charakteristisch sind die Symptome bei der häufigsten Ursache für Schwindel: dem gutartigen, anfallsartigen Lagerungsschwindel. "Die Patienten wachen morgens früh auf, drehen sich im Bett um, und ganz plötzlich befällt sie ein heftigster Schwindel mit Übelkeit, der sich nach 30 Sekunden wieder legt", sagt Jahn. Dann steckten vermutlich kleine Kristalle dahinter, die sich in den Bogengängen des Innenohrs verirrt haben und die Sinneszellen dort reizen.

HNO-Ärzte werden zum Beispiel zurate gezogen, wenn Patienten über heftigsten Drehschwindel mit Übelkeit und Erbrechen klagen. "Wir denken dann zum Beispiel an den Morbus Menière, das ist eine Erkrankung des Innenohrs durch zu viel Flüssigkeit und Überdruck, dabei haben die Patienten in der Regel auch Ohrgeräusche und hören schlechter", sagt Frank Waldfahrer, Schwindelexperte an der Hals-Nasen-Ohren-Klinik am Universitätsklinikum Erlangen. Die Beschwerden hielten etwa 20 Minuten bis 24 Stunden an und überfielen die Patienten anfallsartig. Eine Ursache sei noch nicht bekannt. Mit Medikamenten könnten die Patienten den Anfällen vorbeugen.

"Tritt Schwindel mit massiver Übelkeit ganz plötzlich ohne andere Beschwerden auf, kann es sein, dass das Gleichgewichtsorgan ausgefallen ist, als Ursache werden Virusinfektionen oder Durchblutungsstörungen diskutiert", sagt Waldfahrer. Wenn HNO-Ärzte keine Ursache im Ohr fänden, würden spätestens dann Neurologen hinzu gezogen. Mit bildgebenden Verfahren werde nach Ursachen wie einem Schlaganfall, Tumoren oder Entzündungen im Gehirn gesucht.

In etwa 15 bis 20 Prozent aller Schwindelfälle findet sich kein körperlicher Grund. Dann könnte es sich um einen phobischen Schwankschwindel mit psychischen Ursachen handeln. Daher setzen die Experten in München oft eine Verhaltenstherapie ein und in bestimmten Fällen auch Antidepressiva.

Informationen des Deutsches Schwindel-Zentrums im Internet auf http://asurl.de/4yp, die Schwindel-Broschüre des Bundesforschungsministeriums steht unter http://asurl.de/4yq zum Herunterladen bereit.

dpa-Magazin / mag
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