Kurse bereiten Kinder auf Geschwister vor

Die Schwangerschaft hautnah miterleben: Das macht es Kindern leichter, sich auf das neue Geschwisterchen zu freuen. (Foto: Silvia Marks)

Die meisten Kinder freuen sich auf eine Schwester oder einen Bruder. Gleichzeitig sind sie verunsichert: Werden Papa und Mama dann noch genug Zeit zum Spielen haben? Bringen alle Besucher nur noch Geschenke fürs Baby mit? Um ihnen die Unsicherheit zu nehmen, bereiten spezielle Kurse Kinder aufs Geschwistersein vor.

Im Geburtshaus Hamburg werden den Kleinen beispielsweise spielerisch Schwangerschaft und Entwicklungsphasen des Ungeborenen erklärt. Die Kinder lernen etwas über die Bedürfnisse eines Babys, wie sie es trösten können und wie viel Hunger es hat. Am Schluss eines solchen Kurses bekommen die Kinder ein Geschwister-Diplom.

Neben dem praktischen Nutzen, den die Kinder aus dem Kurs ziehen, haben sie nebenbei natürlich auch viel Spaß. Sie erfahren zum Beispiel, dass Babys schon hören können und mit der Stimme des Geschwisterkindes vertraut sind. "Das ist für die Kinder ganz toll", sagt Britta Höpermann, Geschäftsführerin des Geburtshauses Hamburg und gleichzeitig Kursleiterin. Die Kinder bekämen so das Gefühl: "Das Baby weiß schon, wer ich bin."

Wichtig ist für die Kinder vor allem, sich mit anderen in derselben Situation auszutauschen. Dass mindestens ein Elternteil mitkommt, ist erwünscht. Geeignet sind Geschwister-Workshops für Kinder ab dem vierten Lebensjahr.

"Ein Kurs kann begleitend sehr hilfreich sein, ersetzt aber nicht, dass sich Eltern intensiv und rechtzeitig mit dem Kind auseinandersetzen", sagt Doris Niebergall. Sie ist Vorsitzende des Bundesvorstands der Gesellschaft für Geburtsvorbereitung, Familienbildung und Frauengesundheit (BfB).

Je nach Alter gebe es viele Möglichkeiten, Kinder auf ein Geschwisterchen vorzubereiten. Wenn sie eineinhalb oder zwei Jahre alt sind, könne man die Schwangerschaft schon mit einfachen Worten erklären - etwa wenn sich der Bauch rundet oder es sonstige Veränderungen bei der Mutter gibt. Sind die Kinder ein bisschen älter, kann man die Schwangerschaft früher ansprechen.

Dass Kinder negative Gefühle haben, vielleicht aggressiv und eifersüchtig reagieren, ist normal. "Wenn sich Eltern darüber klar sind, dass das erlaubt sein darf, ist das schon eine große Entlastung", sagt Niebergall.

Feste Rituale wie das tägliche Lesen der Gute-Nacht-Geschichte und kleine gemeinsame Auszeiten, wenn das Baby schläft, sind besonders wichtig für ein frischgebackenes Geschwisterkind. Sie geben Halt und Sicherheit.

Literatur: Mierau/Niebergall: "Fabelhaft durchs erste Lebensjahr. Der gute Start für Eltern und Babys: Bewegung und Bindung, Spiel und Spaß", Ökotopia Verlag, 128 Seiten, 9,80 Euro.

dpa-Magazin / mag
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