Risiken werden oft ignoriert

Die meisten Menschen können ganz gut mit dem leben, was die Natur ihnen gegeben hat. Manche jedoch sind unzufrieden - mit ihrer Nase, ihren Fettpölsterchen oder sogar ihrem Intimbereich.

Schönheitschirurgen bieten immer öfter Operationen an, die den Genitalbereich optimieren sollen. Damit verbundene Risiken werden oft ignoriert. Auch im Intimbereich gebe es eine ganze Variation von Erscheinungsbildern, sagt der Gynäkologe Marwan Nuwayhid von der Gesellschaft für ästhetische und rekonstruktive Intimchirurgie Deutschland (Gaerid). Patienten sollten vor einem Eingriff allerdings genau hinsehen. Denn "Schönheitschirurg" ist keine geschützte Berufsbezeichnung und garantiert weder eine spezielle Ausbildung noch ausreichend Erfahrung. Daher empfiehlt etwa der Berufsverband der Frauenärzte auf seiner Homepage, auf die Bezeichnung "Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie" als staatlich geprüftes und vertrauenswürdiges Qualitätsmerkmal zu achten und sich über Risiken des medizinisch unnötigen Eingriffs aufklären zu lassen. Denn wie bei jeder anderen Operation kann auch dabei viel schief gehen.

Ein Aspekt, der auch Marwan Nuwayhid beschäftigt. Mit seiner neuen, interdisziplinär arbeitenden Gesellschaft will er erreichen, dass der Erfahrungsaustausch unter den Operateuren schneller und die Qualität gesichert wird, neue OP-Techniken entwickelt und Ärzte entsprechend weitergebildet werden. "Es ist besorgniserregend, dass wir immer wieder Ergebnisse von intimchirurgischen Eingriffen sehen, die nicht fachmännisch gemacht sind", sagt er.

"Es wird vieles gemacht, was der Gesundheit nicht dient", warnt auch die Gesundheitswissenschaftlerin Prof. Ingrid Mühlhauser von der Universität Hamburg. Die meisten Menschen seien dem Versprechen ästhetischer Chirurgen schutzlos ausgeliefert, befürchtet sie. "Viele Leute werden erst durch solche Eingriffe krank." Zur Intimchirurgie - wie für viele andere ästhetische Eingriffe auch - gebe es keine unabhängigen Informationen. Patienten sollten sich immer vor Augen führen: "Medizin ist bei uns ein Geschäft."

Schon 2009 warnten die Diplom-Psychologin Ada Borkenhagen und andere Autoren im "Deutschen Ärzteblatt", dass Risiken bei Intim-OPs in der Regel bagatellisiert würden. Vor allem die Verkleinerung der Schamlippen werde oft als "kleiner Eingriff" verharmlost. "Komplikationen können aber auch hier schwerwiegende Funktions- und Empfindungseinschränkungen zur Folge haben." Risiken seien unter anderem Infektionen, Narben, Verwachsungen oder Schmerzen beim Sex.


dpa-Magazin / mag
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