Schizophrenie ist behandelbar: Betroffene leiden unter Vorurteilen

Kaum jemand bekennt sich öffentlich zur Diagnose Schizophrenie. Denn die Krankheit löst bei den Mitmenschen Ängste und Vorbehalte aus: Betroffene werden oft als unberechenbare Irre abgestempelt. (Foto: Chromeorange/Bilderbox)

Kaum jemand bekennt sich zu dem Leiden öffentlich. Denn Schizophrenie löst Ängste und Vorbehalte aus: Betroffenen wird unterstellt, unberechenbar zu sein und zur Gewaltanwendung gegen andere zu neigen. Sie werden häufig als Irre abgestempelt.

"Unter solchen Vorurteilen leiden wir Betroffene immens", sagt Ansgar Trappen (Name geändert). Dabei gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg, dass Betroffene in Behandlung gefährlicher als andere sind. An Schizophrenie erkrankt "weltweit etwa ein Prozent der Bevölkerung mindestens einmal im Leben", sagt Christa Roth-Sackenheim, Vorsitzende des Berufsverbands Deutscher Psychiater (BVDP). Es kommt zu zeitweiligen schweren Störungen des Denkens, der Wahrnehmung und des Erlebens. "Das kann mit Beeinträchtigungen oder sogar mit dem Verlust des Realitätsbezugs einhergehen", erklärt Iris Hauth, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde. Wie sich Schizophrenie äußert, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. "Neben Verfolgungswahn und Stimmenhören fühlen die einen sich von außen gesteuert, bei anderen sind Gedankenprozesse gestört."

Was genau im Körper abläuft, ist wissenschaftlich noch nicht bis ins Detail erforscht. "Fest steht, dass in akuten Krankheitsphasen bestimmte Botenstoffe im Gehirn aus dem Gleichgewicht geraten", erläutert Roth-Sackenheim. Die Ursachen können eine erbliche Veranlagung sein, aber auch Cannabis kann den Ausbruch begünstigen. "Für die Diagnose Schizophrenie müssen in jedem Fall mehrere Faktoren zusammenkommen – neben einem Rückzug etwa das Hören von Stimmen als Trugwahrnehmung oder Verfolgungswahn", erklärt Roth-Sackenheim.

Die Therapie

Behandelt wird Schizophrenie mit Medikamenten. "Zusätzlich ist eine Psychotherapie zu empfehlen, um etwas gegen Symptome wie Angst oder Antriebslosigkeit zu tun", sagt Hauth. Ein Viertel aller Patienten hat einmal im Leben eine sogenannte Episode. "Eine Episode bedeutet, der Betroffene zeigt derart akute Symptome, dass ein Aufenthalt in einer Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie nötig ist." In drei Viertel aller Fälle kommt es zu Rückfällen, oft erst Jahre später.

So war es auch bei Ansgar Trappen. Der heute 58-Jährige war 18 Jahre alt, als er erstmals wegen einer schizoaffektiven Psychose stationär behandelt wurde. Nach diesem Klinik-Aufenthalt war sein Zustand stabil. Auf Anraten seiner Ärztin setzte er die verschriebenen Medikamente ab. Er absolvierte eine Ausbildung, ging einer Arbeit nach und machte auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur nach. Er heiratete und wurde Vater von zwei Kindern. Doch als die Trennung von seiner Frau anstand, kam es 16 Jahre nach der ersten Episode zu einem Rückfall. Trappen landete erneut in der Psychiatrie.

Inzwischen hat er gelernt, Anzeichen auf eine neue Episode zu deuten – und vorbeugend zu handeln. "Wenn mir alles zu viel wird, dann versuche ich, bei langen Spaziergängen zur Ruhe zu kommen", sagt er. Wichtig ist aus seiner Sicht, eigene Probleme offen anzusprechen und darüber mit vertrauten Menschen zu sprechen. mag
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