So kommt die Erinnerung zurück

Menschen, deren Gedächtnis anterograd gestört ist, können sich nichts Neues merken. (Foto: Andrea Warnecke/dpa/mag)

Das Gedächtnis gehört zum Menschen. Besonders wenn Erinnerungen abhandengekommen sind, merkt man, wie wichtig es eigentlich ist.

Schlaganfälle, Herzinfarkte, Schädel-Hirn-Traumata, Hirnhautentzündungen oder Alkoholismus können zum Vergessen führen. Seltener rufen psychische Faktoren wie starker Stress oder traumatische Erlebnisse sogenannte Amnesien hervor.Viele Amnesien gehen auf eine Schädigung bestimmter Gehirnareale zurück. Man spricht von einer Amnesie, wenn eine isolierte Störung des Gedächtnisses besteht, sagt der Neurologe Gereon Fink von der Uni Köln. Grundsätzlich unterscheiden Mediziner zwischen anterograden und retrograden Amnesien. Bei anterograden Amnesien sei der Erwerb von neuen Gedächtnisinhalten gestört, bei retrograden Amnesien der Abruf bereits gespeicherter Informationen beeinträchtigt, erläutert Prof. Bernd Leplow vom Institut für Psychologie der Universität Halle-Wittenberg.

Am häufigsten kommen anterograde Amnesien vor. "Betroffene mit anterograder Amnesie wissen zwar, wer sie sind und können sich an Details aus ihrer Vergangenheit erinnern, aber sie verharren im Hier und Jetzt und sind unfähig, Neues bleibend und bewusst abzuspeichern", erläutert der Hirnforscher Hans-Joachim Markowitsch von der Universität Bielefeld. Bei einer retrograden Amnesie hingegen wissen die Betroffenen oft nicht, wer sie sind.

Bei beiden Amnesieformen sind in der Regel Handlungsroutinen wie Schwimmen und Rad fahren erhalten, wie Leplow sagt. Typischerweise vergessen Betroffene häufiger autobiografische Gedächtnisinhalte als das Wissen über allgemeine Fakten. Das autobiografische Erinnern erfordert laut Markowitsch eine feine gleichzeitige Kopplung von Emotion und Kognition, und ist dadurch am anfälligsten gegenüber Hirnschäden.

Vor allem retrograde Amnesiepatienten zeigen oft keine Gefühle: "Wir sagen, dass sie emotional nicht ,mitschwingen‘, sowohl bezüglich ihrer eigenen Vergangenheit als auch generell im Alltag", erklärt Markowitsch. Die Emotionen und Erinnerungen sind aber vermutlich nicht verloren. Wahrscheinlich sei lediglich der Zugang zu den gespeicherten Erlebnissen blockiert.

Die Dauer und Therapiemöglichkeiten einer Amnesie hängen davon ab, wie umfassend der Hirnschaden ist. Bei retrograden Amnesien sollte man zunächst die Persönlichkeit der Betroffenen stabilisieren und Vertrauen zurückgewinnen. Häufig geschieht das durch Verhaltenstherapien.


dpa-Magazin / mag
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