Ständig müde und schlapp: Wenn Jugendliche zu viel Sport treiben

Arijalda Mujkovic hat schon früh mit Volleyball angefangen und oft trainiert – aber gerade Jugendliche müssen beim Sport darauf achten, sich nicht zu überlasten. (Foto: Markus Hibbeler)

Zu viel ist bei Sport relativ – das gilt auch für Jugendliche. "Solange der Körper es mitmacht, ist das Training nicht immer ein Problem", sagt Prof. Christine Graf von der Sporthochschule Köln. Wenn man aber zum Beispiel öfter krank, schlapp oder ständig müde ist, sollten die Alarmglocken läuten.

"Jede Person hat eine unterschiedliche Leistungsgrenze. Diese hängt nicht unbedingt von der ausgeübten Sportart ab, sondern vielmehr von der Frequenz und Intensität", sagt Graf. Mindestens 150 Minuten sportliche Aktivität pro Woche empfiehlt die Medizinerin.

Das schafft Arijalda Mujković locker – ein Leben ohne Sport kann sie sich nicht vorstellen. Die Volleyballerin trainierte sechsmal wöchentlich – plus Punktspiele am Wochenende. Nach dem Abitur ging sie für ihr Studium nach Lippstadt. Sie fand ein neues Team in der Regionalliga, stieg aber nach der halben Saison wieder aus: zu viel Fahrerei. Die 21-Jährige stillt ihre Sportlust jetzt mit Beachvolleyball und geht dreimal die Woche ins Fitnessstudio. Hier hat sie sich einen Trainingsplan erstellen lassen, der Ausdauer- und Muskeltraining abdeckt. Je nach Zeit und Laune geht sie joggen.

Auf seinen Körper zu hören, ist manchmal nicht genug. Ulrich Fegeler vom Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte rät, dass etwa Leistungssport medizinisch begleitet werden sollte. Häufig werde über die Belastungsgrenze hinaus trainiert, und das hinterlasse dauerhafte, körperliche Schäden. "Das Trimmen auf Höchstleistung darf niemals im Vordergrund stehen." Das ist besonders wichtig für junge Sportler. "Wenn jemand ab dem 15. Lebensjahr Gewichte stemmt, wird sich das wahrscheinlich mit Zunahme des Trainings und der Dauer des Sports schädigend auf die Wirbelsäule und die Gelenke auswirken", sagt Fegeler. "Eine wachsende Wirbelsäule ist viel anfälliger für Fehlbelastungen als eine ausgewachsene."

Grundsätzlich ist gegen Volleyball, Tennis und Co. natürlich nichts einzuwenden, wie Fegeler sagt. Bei Arijalda Mujković seien auch keine Grenzen überschritten. Der erstellte Trainingsplan enthält Kurse wie Zumba für die Ausdauer sowie Gerätetraining für den Muskelaufbau. Circa anderthalb Stunden dauert eine Trainingseinheit.

Arijalda Mujković hat den Eindruck, dass Leute in ihrem Alter sehr sportbewusst sind. "Oft zu bewusst. Folgt man den Leuten auf Facebook, sieht es so aus, als würden viele nur Sport treiben, um gut auszusehen. Die Jungs pumpen für die Muskeln, die Mädels wollen dem Idealbild entsprechen." Sport, um fit zu bleiben, ist ihr lieber. Sie hat einen guten Weg für sich gefunden, auch wenn ihr das Volleyballspielen fehlt.
dpa-Magazin / mag
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