Teure Superfrüchte bewirken keine Wunder

Goji-Beeren werden in getrockneter Form angeboten - ein Tütchen kann um die zehn Euro kosten. (Foto: Andrea Warnecke)

Ihre Namen klingen exotisch, ihr Preis ist hoch: Superfrüchten wie Acai, Acerola, Goji oder Noni werden wahre Wunderwirkungen nachgesagt. Ein wissenschaftlich fundierter Beleg dafür lässt sich allerdings kaum finden.

Acai kommen vom Amazonas. Die zu den Rosengewächsen gehörende Acerolakirsche stammt aus Mexiko. Die Kaffee-Verwandte Noni zog über Hawaii in tropische Hausgärten ein. Von der im Himalaya heimischen Gojibeere soll schon Buddha gegessen haben.Die Acerola gilt als die Pflanze mit dem höchsten Gehalt an natürlichem Vitamin C überhaupt. Deshalb wird ihr ein breites Wirkungsspektrum zugeschrieben. Sie sei für Vorbeugung und Therapie vieler Erkrankungen "unverzichtbar", erläutert Heinrich Stevens von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung in Bonn. Er listet unter anderem Diabetes, Herz- und Kreislauferkrankungen auf.

Dank der Globalisierung sind die Beeren mittlerweile fast überall zwischen Nordamerika und Europa zu bekommen. "Weil sie hochempfindlich sind, gibt es sie aber so gut wie nie frisch", sagt Hilke Steinecke, Biologin im Palmengarten in Frankfurt am Main. Stattdessen werden sie als Saft oder Pulver importiert. Die Verarbeitung eines Lebensmittels kann eine mögliche gesundheitliche Wirkung beeinflussen. "Viele Stoffe stecken in der Schale. Beim Apfelschälen werfe ich auch Teile des Schutzes weg", gibt Bernhard Watzl, Professor für Physiologie und Biochemie der Ernährung am Max-Rubner-Institut in Karlsruhe, ein Beispiel dafür.

Die auch als indische Maulbeere bekannte, enzymreiche Noni-Frucht gelte vor allem in Australien als Schönheitsfrucht, sagt Sarah Schretzmaier, Leiterin des Kompetenzteams Ernährung im Deutschen Wellness Verband. Ein Glas pro Tag aktiviert angeblich den Stoffwechsel und schützt vor Falten. Die kleinen Goji-Beeren werden wie Rosinen in getrockneter Form angeboten. Ein Tütchen kann um die zehn Euro kosten. Die erhoffte Wirkung der Superfrüchte verlangt außerdem Ausdauer: Täglich und langfristig müsste der Konsum sein.

Blind vertrauen sollten Verbraucher den verheißungsvollen Versprechungen ohnehin nicht. Es mangele schlicht an kontrollierten Studien am Menschen, betont Watzl. Er sagt aber auch: "Früchte haben ein spezielles Spektrum an Inhaltsstoffen wie sekundäre Pflanzenstoffe, die die Gesundheit beeinflussen." Dazu gehören generell Polyphenole, Antioxidantien wie die Vitamine C und E sowie Mineralstoffe. Polyphenole haben in den Pflanzen eine funktionelle Wirkung, indem sie sie zum Beispiel vor Schädlingen schützen. "Weil wir uns in Millionen Jahren in Abhängigkeit von Pflanzen entwickelt haben, wirken Polyphenole auch auf uns", erläutert er. Ob Acai und Co. unbedingt gesünder sind als anderes Obst, bezweifelt er allerdings: "Die helfen so viel wie der Apfel, die Orange." Und heimische Heidelbeeren enthalten nach Angaben des Max-Rubner-Instituts sogar mehr Magnesium als etwa Acai.


dpa-Magazin / mag
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