Trotz Stress im Job erholsam schlafen

Das Gedankenkarussell lässt keine Ruhe: Arbeitnehmer finden besser in den Schlaf, wenn sie sich nach der Arbeit körperlich auspowern. (Foto: Jens Kalaene)

Ist der Stress bei der Arbeit besonders groß, fällt vielen das Einschlafen am Abend schwer. Statt sich auszuruhen, kreisen die Gedanken um ein wichtiges Projekt oder den Streit mit dem Kollegen. Am nächsten Morgen wachen viele wie gerädert auf. Doch das muss nicht sein. Wer ein paar Tipps und Tricks beachtet, schläft durch.

Laut einer Untersuchung des Robert-Koch-Instituts 2012 leidet jeder vierte Erwachsene unter Schlafstörungen. Fast jede dritte Frau (30,8 Prozent) und mehr als jeder fünfte Mann (22,3 Prozent) berichtet dabei von Schlafstörungen mindestens dreimal pro Woche. Auch der neue Stressreport der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Baua) in Dortmund macht die Schlafstörungen als großes Problem unter Arbeitnehmern aus. Viele Menschen nehmen ihre Probleme von der Arbeit mit nach Hause - und mit ins Bett. "Durch die ständige Erreichbarkeit und Reizüberflutung verstärken sich die stressbedingten Schlafstörungen", sagt Felicitas von Elverfeldt. Sie ist Diplom-Psychologin in Frankfurt am Main und arbeitet als Coach für Führungskräfte.

Das kennt auch Sara Mey (Name geändert). "Ich konnte immer gut schlafen und war meistens am Abend so geschafft, dass mir die Augen zufielen, sobald ich im Bett lag." Doch eines Tages war alles anders. Sie ging ins Bett, las ein paar Seiten, machte das Licht aus - und blieb wach. "Das war eine schreckliche Zeit. Ich hatte bald Angst davor, schlafen zu gehen." Schlief sie doch ein, wachte sie in der Nacht mehrfach auf. "Ich war gerädert und konnte mich kaum noch auf das Unternehmen konzentrieren, das ich erst kurz zuvor gegründet hatte."

Egal, ob man fünf, sieben oder neun Stunden Ruhe pro Nacht braucht: "Erholsames Schlafen ist die Grundvoraussetzung für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden", erklärt Jürgen Zulley. Er ist Schlafforscher und emeritierter Professor für Biologische Psychologie an der Universität Regensburg. "Man kann viele Belastungen ertragen, wenn man zwischendurch wieder zur Ruhe kommt." Erholung und Muße stellen sich dann nicht von allein ein. "Es klingt paradox, doch man muss sich auf etwas konzentrieren, um zur Ruhe zu kommen", erklärt Zulley. Schulte rät zu etwas Gegenläufigem zur Arbeit. Wer vor allem psychisch im Job gefordert ist, werde sich mit Bewegung erholen können. Zusätzlich rät er zu ruhigen, meditativen Tätigkeiten vor dem Schlafen. Das kann ruhige Musik sein oder die Konzentration auf die eigene Atmung.

Wer mit Auspowern und ruhigen Ritualen schließlich in den Schlaf findet, hat die Nacht jedoch noch lange nicht überstanden. "Ich bin oft jede Stunde aufgewacht", sagt Sara Mey. In so einer Situation kann es helfen, aufzustehen und sich mit etwas Ruhigem zu beschäftigen: einen Tee kochen oder einem Kreuzworträtsel.


dpa-Magazin / mag
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