Automobilkaufleute sind mehr als Verkäufer

Büro, Werkstatt und Verkauf: Wer Automobilkaufmann werden möchte, sollte Interesse an allen Bereichen eines Autohauses haben. (Foto: Markus Scholz)

Diana Schneider ging es wie vielen Schulabgängern: Sie wusste nach dem Abitur nicht so richtig, welchen Beruf sie erlernen will. Klar war nur, dass sie etwas mit Menschen machen will. Ein Test bei der Agentur für Arbeit erwies sich für die junge Frau als Glücksfall. Sie folgte der Empfehlung der Berater und bewarb sich um eine Lehrstelle als Automobilkauffrau.

Heute steht sie kurz vor dem Abschluss ihrer Ausbildung bei einem Mainzer Autohaus und ist sich sicher: "Das ist genau das Richtige für mich." Automobilkaufleute arbeiten in Autohäusern, bei Herstellern oder Importeuren. Sie nehmen Anrufe von Kunden entgegen, verhandeln mit Käufern über den Preis und gehen mit ihnen Möglichkeiten zur Finanzierung durch. Sie klären über Garantiebedingungen auf und kennen sich mit Ersatzteilen und Zubehör aus. "Es ist wichtig, dass man an allen Bereichen des Autohauses Interesse hat", sagt Sonja Bernhardt, die bei Daimler für die Ausbildung in den Mercedes-Benz-Niederlassungen zuständig ist.Beim Automobilkaufmann haben viele zunächst einmal einen Autoverkäufer vor Augen. Der Verkauf ist auch eine Station, die Jugendliche in der dreijährigen Ausbildung durchlaufen. Genauso wichtig sind aber das Flottenmanagement - hier lernen Azubis, einen Fuhrpark zu verwalten - und das Leasinggeschäft.

Darüber hinaus bereiten die angehenden Fachkräfte Kaufverträge vor, prüfen Rechnungen oder werten Marktdaten etwa zum Autoverkauf aus. Und natürlich lernen Azubis auch die Abläufe in der Werkstatt kennen. So bekommen sie einen Bezug zur Technik und sind später besser in der Lage, Werkstattaufträge zu planen und zu überwachen.

Wer sich für die dreijährige Ausbildung interessiert, braucht jedoch mehr als bloß Interesse für Autos. Bewerber sollten neben technischem Interesse auch ein kaufmännisches Grundverständnis mitbringen und sich gut schriftlich ausdrücken können, erklärt Bernhardt. Ebenso wichtig seien ein freundliches, aufgeschlossenes Wesen, Spaß am Kundenkontakt und nicht zuletzt Teamfähigkeit.

"Ohne Teamwork funktioniert nichts", sagt Schneider. Wer nicht gut mit Menschen umgehen kann, sollte daher ihrer Ansicht nach die Finger von dem Beruf lassen. "Man muss Stress aushalten und Kritik wegstecken können. Schließlich gibt es nicht nur angenehme Kunden", sagt die angehende Automobilkauffrau, die den Übernahmevertrag bereits in der Tasche hat. "Manche lassen auch mal Frust ab. Dann sollte man schon ein dickeres Fell haben. Aber die vielen netten Kunden machen das wieder wett."

Parallel zur Ausbildung im Betrieb besuchen Azubis die Berufsschule. Dort stehen etwa Kosten- und Leistungsrechnung, Marketing oder die Planung von Wartungs- und Reparaturaufträgen auf dem Stundenplan.

Rein formal ist für die Ausbildung zum Automobilkaufmann zwar keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. Tatsächlich kommen aber in den meisten Fällen nur Bewerber zum Zuge, die mindestens einen mittleren Bildungsabschluss vorweisen können. "Die Tendenz geht zum Abiturienten", sagt Andrea Zeus, Referentin für Berufsbildung beim Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK).

Die tarifliche Ausbildungsvergütung beträgt im ersten Jahr monatlich 477 bis 680 Euro, im zweiten 519 bis 714 und im dritten 569 bis 789 Euro. Berufsanfänger können laut der Bundesagentur für Arbeit mit einem Bruttogehalt zwischen 2000 bis 2300 Euro rechnen.

Informationen der Initiative zur Nachwuchsförderung im Kfz-Gewerbe unter http://www.autoberufe.de.

dpa-Magazin / mag
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