Dolmetscher ist kein geschützter Beruf

Ob simultan oder konsekutiv: Dolmetscher brauchen beim Übersetzen viel Fingerspitzengefühl. (Foto: Jens Kalaene)

"Das Schönste ist, dass es nie langweilig wird", sagt Dana Gaidas. "Ich lerne immer wieder Neues, treffe die unterschiedlichsten Menschen. Und ich kann Kommunikation ermöglichen, wo sich zwei Seiten sonst nicht verstanden hätten." Gaidas, 27 Jahre alt, ist Dolmetscherin in Chemnitz.

Weil Dolmetscher keine geschützte Berufsbezeichnung ist, gibt es viele Quereinsteiger und Autodidakten. Die Fachkräfte arbeiten etwa bei Staatsbesuchen oder Gerichtsverfahren und unterstützen Verhandlungen in der Wirtschaft. In manchen Bundesländern ist eine Ausbildung an Berufsfachschulen oder -akademien möglich. "Klassischerweise braucht es aber einen akademischen Abschluss", sagt Norma Keßler, Vizepräsidentin des Bundesverbandes der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ).

Aufbauend auf einen Bachelor, zum Beispiel in internationaler Fachkommunikation, bieten mehrere Hochschulen Masterstudiengänge zum Konferenzdolmetscher an. Anders als ein Übersetzer überträgt der Dolmetscher nicht das geschriebene, sondern das gesprochene Wort.

Eine Fremdsprache zu lernen, ist jedoch nur ein erster Schritt. "Zweisprachigkeit befähigt noch lange nicht zum Dolmetscher", erklärt Isabel Schwagereit vom Fachverband der Berufsübersetzer und Berufsdolmetscher (Aticom).

Immer wieder gibt es Anspielungen, Provokationen, Feinheiten, Dinge, die hier anders sind als dort, die zwischen den Zeilen mitschwingen und verschluckt oder missverstanden werden können. "Besonders vor Gericht haben Dolmetscher eine große Verantwortung", erklärt Schwagereit. Dort kommen sie etwa zum Einsatz, wenn der Angeklagte aus einem anderen Justizsystem kommt und mit den deutschen Begriffen nichts anfangen kann.

Ob simultan, konsekutiv - erst spricht der Redner, dann der Dolmetscher - oder flüsternd hinter einer Person: Dolmetscher müssen stets einen klaren Kopf behalten. Mal schnell ins Wörterbuch schauen während eines Vortrags geht nicht.

Englisch als Fremdsprache ist immer gefragt. An Hochschulen können angehende Fachkräfte jedoch auch viele andere Sprachen lernen - zum Beispiel Spanisch, Französisch, Russisch und zunehmend Chinesisch.

"Das Wichtigste ist, geistig wendig zu sein", betont Schwagereit. Dolmetschen ist Multitasking auf hohem Niveau und auch körperlich anstrengend. Wer in dem Beruf gut sein möchte, braucht eine gute Allgemeinbildung, ein exzellentes Gedächtnis und ein sicheres Auftreten. Nicht zuletzt ist Körperbeherrschung gefragt: Ein Dolmetscher kann nicht zwischendurch auf Toilette gehen.


dpa-Magazin / mag
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