In Teilzeit führen: So kann das Modell funktionieren

Kathrin Stübbe arbeitet seit mehr als zehn Jahren in Teilzeit und hat trotzdem eine Führungsposition. Sie führt ein Team mit 50 Mitarbeitern im Forschungsbereich Softwareintensive Systeme bei Bosch. Hier ist sie auf dem Forschungscampus in Renningen zu sehen. (Foto: Deniz Calagan)

Wer Chef werden will, muss dem Arbeitgeber rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Davon gehen immer noch viele Betriebe aus.

In den Niederlanden führt fast jede fünfte Führungskraft (17,4 Prozent) in Teilzeit. Und auch in Deutschland kommt das Modell langsam an. Inzwischen arbeiteten nach Angaben der Arbeitskräfteerhebung von Eurostat 6,5 Prozent der Führungskräfte in Deutschland mit reduzierter Stundenzahl. In den Unternehmen steht möglicherweise ein Umdenken bevor: "Der Arbeitsmarkt wird immer mehr zum Bewerbermarkt", sagt Brigitte Abrell. Sie ist selbst seit vielen Jahren Führungskraft in Teilzeit bei einer Versicherungsgesellschaft und hat ein Buch zum Thema geschrieben. Gute Führungskräfte zu finden, sei in Branchen mit Fachkräftemangel nicht so leicht. Unternehmen seien deshalb zunehmend auch zu neuen, ungewöhnlichen Führungsmodellen bereit.

Für Kathrin Stübbe ist es seit vielen Jahren Alltag, in Teilzeit zu führen. Freitags ist sie nie im Büro. Am Montag und Mittwoch können ihre Mitarbeiter sie bis 16 Uhr dort antreffen, am Dienstag und Donnerstag ist sie häufig bis 18 Uhr da, bei Bedarf auch einmal länger. Stübbe arbeitet im Forschungsbereich Softwareintensive Systeme bei Bosch und führt ein Team mit 50 Mitarbeitern.

Als Chefin führt sie auf einer 70-Prozent-Stelle. "Die Regelung erlaubt mir, einen interessanten Job und meine Familie unter einen Hut zu bekommen", erzählt sie. Und: "Im normalen Alltag klappt das sehr gut."

Doch wie das Ganze organisieren? Will eine Führungskraft den Schritt in die Teilzeit gehen, muss der Arbeitgeber zunächst eine Aufgaben- und Umfeldanalyse machen, sagt Abrell. Bei ersterer wird geklärt, welche Aufgaben die Führungskraft hat und welche sie delegieren kann. Dann wird überlegt, welches Teammitglied die Aufgaben übernehmen kann.

Außerdem rät Abrell, am Anfang nicht zu stark zu reduzieren. Zu Beginn sei es häufig ratsam, nicht unter 75 Prozent zu gehen. Sonst sei es oft besser, dass sich zwei Chefs eine Stelle im Rahmen eines Jobsharing-Modells teilen. mag
0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.