Karriere auf dem Kutter: Fischwirte arbeiten häufig nachts

Nichts für Schwächlinge: Fischwirt Per Grube braucht beim Einholen einer Reuse viel Kraft. (Foto: Markus Scholz)

Wer Fischwirt ist, arbeitet häufig zu ungewöhnlichen Zeiten. Der Arbeitstag beginnt zumeist, wenn es schon dunkel wird oder noch dunkel ist. Wer sich für den Beruf entscheidet, muss neben Naturverbundenheit auch technisches und betriebswirtschaftliches Verständnis mitbringen.

Derzeit gibt es bundesweit rund 240 Fischwirt-Azubis. Der Beruf ist eine Männerdomäne. "Der Frauenanteil bei den Azubis liegt aktuell bei etwa drei Prozent", sagt Martin Lambers vom Deutschen Bauernverband. Die körperlich anstrengende Arbeit und der oft raue Umgangston seien nicht jedermanns Sache.

"In manchen Sparten der Kutterfischerei fängt man nachts mehr als am Tag", erklärt Peter Breckling vom Deutschen Fischerei-Verband. Tagsüber können Fische die Netze sehen und einen Bogen darum machen. Also werden Fischwirte nachts aktiv - egal, ob es stürmt oder schneit, an Wochenenden und Feiertagen.

"Genau diese Mischung macht die Tätigkeit so abwechslungsreich", ist sich Lambers sicher. In der Berufsschule lernen angehende Fischwirte, die Tiere im Fluss, Teich und Meer zu bestimmen. In Theorie und Praxis setzen sie sich mit Fangmethoden und Geräten wie Reusen, Netzen oder Angeln auseinander. Nach dem Fang fallen weitere Aufgaben an - etwas das Zerlegen, Konservieren und Vermarkten. "Auf See sind Fischwirte im Durchschnitt 150 bis 200 Tage im Jahr", erläutert Breckling. Dann müssen sie auf beengtem Raum arbeiten, schlafen - und miteinander auskommen. "Teamfähigkeit ist daher eine unabdingbare Voraussetzung für den Beruf", so Lambers.

Wer nicht ständig auf dem Kutter unterwegs sein möchte, muss den Berufswunsch Fischwirt nicht gleich aufgeben: Die Ausbildung ist aktuell sowohl im Bereich "Küstenfischerei und kleine Hochseefischerei" als auch in der Binnenfischerei möglich. Dazu gehören gegenwärtig die "Seen- und Flussfischerei" sowie die "Teichfischerei". Voraussichtlich zum 1. August 2015 wird die Ausbildung jedoch ohnehin modernisiert. Die bisherigen drei Schwerpunkte sollen durch die zwei Fachrichtungen "Aquakultur und Binnenfischerei" sowie "Küstenfischerei und kleine Hochseefischerei" ersetzt werden, da die derzeitige Ausbildungsform veraltet sei, so Lambers. Neue Standards etwa bei Verbraucher- und Umweltschutz sowie Hygiene würden dann stärker berücksichtigt.

Bewerber sollten einen Hauptschulabschluss haben, sagt Markus Bretschneider vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Die Vergütung in der Ausbildung richtet sich in aller Regel nach Tarifverträgen. Sie liegt nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit zwischen 500 und 720 Euro brutto. Das Einstiegsgehalt als fertige Fachkraft kann laut Lambers bei etwa 2000 Euro brutto liegen. Zum Teil ist es aber deutlich weniger.


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