Konflikte nicht schwelen lassen

Ohne ehrenamtliche Helfer sähe es in vielen Schulen, Vereinen oder Anlaufstellen düster aus. Denn dort füllen sie mit Zeit und Engagement viele Lücken. Bezahlt macht sich diese Arbeit in materieller Hinsicht meist nicht. Viel wichtiger ist den Ehrenamtlichen, dass sie für ihre Anstrengung geschätzt und respektiert werden.

"Und umso eher verletzt es sie, wenn dies nicht der Fall zu sein scheint", sagt Peter Knuff, Vorsitzender des Bundesverbands deutscher Vereine und Verbände (bdvv). Laut Knuff arbeiten viele Ehrenamtler in Bereichen, für die sie nicht ausgebildet sind, und in denen ihnen schneller Fehler passieren. "Wenn dann etwas nicht rund läuft, fühlen sich die Engagierten zu Unrecht angeprangert."

Die negativen Gefühle, die in solchen Situationen entstehen, bilden den Nährboden für schwelende Konflikte bis hin zum Mobbing, erläutert Christiane Prieß-Heimann. Sie hat als Mediatorin in Bordesholm (Schleswig Holstein) schon viele Vereine und Verbände begleitet.

Um dem entgegenzuwirken, rät sie, negativen Gefühlen und Stimmungen so früh wie möglich auf den Grund zu gehen - bei sich selbst und bei anderen. Am besten spricht man sie direkt an. So könnte der Kassenwart, der die Veranstaltungseinnahmen falsch deklariert und dem Verein dadurch zusätzliche Steuerzahlungen verursacht hat, sagen: "Es tut mir leid, aber ich konnte es nicht besser. Ich würde mich freuen, wenn ich fürs nächste Mal eine gründliche Einweisung oder auch Fortbildung bekäme." Damit stellt er sich dem Problem, macht aber deutlich, dass er nicht zum Sündenbock abgestempelt werden möchte.

Während im Berufsleben Verträge oder Betriebsvereinbarungen für klare Strukturen sorgen, scheuen Vereine oftmals genau das. Dort herrsche oft die Denkweise: "Das brauchen wir nicht", sagt Rechtsanwältin und Mediatorin Eva Lingen, Mitglied im bdvv. Zunehmend setze sich aber im Vereinsleben die Erkenntnis durch, dass solche Regelungen nützlich sind.

Formal gibt es meist einen Vorstand, der Entscheidungen trifft und Aufgaben an verschiedene Personen delegiert. "Je klarer diese Vorgaben formuliert und eingehalten werden, desto weniger Rangeleien gibt es um Befugnisse und Zuständigkeiten", sagt Prieß-Heimann.

Ganz unabhängig von den jeweiligen Regelungen rät Prieß-Heimann denjenigen, die das Gefühl haben, bei Entscheidungen übergangen zu werden, das so früh wie möglich zu äußern: "Dann staut sich gar nicht erst etwas an, und die Konfliktpartner können noch unvoreingenommen miteinander reden."


dpa-Magazin / mag
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