Orthopädiemechaniker brauchen Feingefühl

Orthopädiemechaniker fertigen künstliche Gliedmaßen - etwa für Menschen, die ein Bein verloren haben. (Foto: Martin Schutt/dpa)

Um ein guter Orthopädiemechaniker zu werden, reicht es nicht aus, ein versierter Handwerker zu sein. Wer diesen Beruf ergreifen möchte, braucht neben technischem Geschick auch viel Feingefühl.

Es ist emotional nicht immer leicht, einem Patienten eine Prothese anzupassen, wenn diesem gerade sein Bein amputiert worden ist. "Wer Berührungsängste mit Wunden und Narben hat, der ist falsch in diesem Beruf", sagt Jens Vosteen vom Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik in Dortmund.Das Handwerk sucht qualifizierten Nachwuchs, denn der Bedarf nehme nicht ab, wie Vosteen erläutert. Unfälle oder schwere Krankheiten sorgen dafür, dass es immer neuen Bedarf an entsprechenden Hilfsmitteln gibt. Fachkreise schätzen, dass in Deutschland mehr als vier Millionen Menschen orthopädietechnische Hilfsmittel benötigen. Die passgenaue Fertigung einer Schuheinlage gehört dabei zu den leichteren Aufträgen. Elektronisch gesteuerte Prothesen stellen die Fachkräfte vor ganz andere Herausforderungen.

Da Orthopädiemechaniker an der Schnittstelle von Medizin und Technik stehen, ist die Ausbildung entsprechend breit. Neben technischem Wissen und umfassender Werkstoffkunde stehen Anatomie und Pathologie auf dem Lehrplan. "Wer eine Ausbildung in diesem Beruf anstrebt, sollte die mittlere Reife mit guten Noten in Mathematik und Physik nachweisen. Besser noch ist das Abitur", erklärt Vosteen.

Nach Angaben des Bundesinstituts für berufliche Bildung (BIBB) in Bonn gibt es mehr als 1250 Auszubildende, davon sind knapp 37 Prozent Frauen. Fast 92 Prozent der Azubis bestehen die Gesellenprüfung. Viele streben die weitergehende Qualifikation an und legen die Meisterprüfung ab, die in diesem Handwerksberuf erforderlich ist, um selbstständig einen Betrieb zu führen. "In den etwa 1850 orthopädietechnischen Handwerksbetrieben in Deutschland arbeiten 12 000 Fachkräfte", beschreibt Kirsten Abel vom Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik die Marktlage.

Gemessen an den Anforderungen erscheinen die Ausbildungsvergütungen nicht besonders üppig. Die Bundesagentur für Arbeit nennt eine Vergütung von 343 Euro im ersten Lehrjahr. Der Betrag steigt dann auf 389 Euro in zweiten und 428 Euro im dritten Jahr. Es gibt in der Branche keinen einheitlichen Tarifvertrag, so dass Lehrlinge mehr verdienen können.

Informationen im Internet unter www.bibb.de sowie unter www.ot-forum.de.

dpa-Magazin / mag
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