Richtig vortragen im Job

Ein typischer Fehler ist es, bei der Präsentation zu den Charts zu sprechen und dem Publikum den Rücken zuzudrehen. (Foto: Andrea Warnecke)

Die Stimme bebt, der Zettel in der Hand zittert - das sagt eigentlich schon alles. Denn wenn jemand so vor Kollegen vorträgt, wissen die sofort: Der ist total nervös. Das wirkt schnell peinlich. Und die beste Idee findet kein Gehör, wenn Berufstätige sie nicht überzeugend präsentieren können.

Oft entscheidet schon die Stimmlage über den Eindruck der Zuhörer: Nervöse Menschen haben eine höhere Stimme als sonst. Das liege daran, dass die Muskeln im ganzen Körper angespannt sind, auch die Muskeln und Bänder im Kehlkopf, erklärt Brigitte Teuchert von der Deutschen Gesellschaft für Sprechwissenschaft und Sprecherziehung (DGSS). Der Mensch empfinde aber eine tiefe Stimme als angenehmer.Der Grund: Auch wenn Aggressionen oder Emotionen im Spiel sind, passiert physiologisch dasselbe - die Stimme wird höher. Für die Zuhörer wirkt das sofort negativ. "Dann wehrt man sich auch gegen die Inhalte", sagt Teuchert. Uwe Schürmann von der Deutschen Vereinigung für Atemrhythmisch Angepasste Phonation (DVAAP) bestätigt das: "Wenn ich das Gegenüber nicht so entspannt erlebe, deute ich das: Warum ist der so nervös? Fühlt der sich unwohl?" Der Zuhörer bekomme automatisch das Gefühl, der Redner stehe nicht hinter seiner Botschaft.

"Das ist ein Phänomen, das dem Sprecher oft nicht bewusst ist", hat Teuchert beobachtet. Der erste Schritt zur Lösung des Problems sei bereits, es sich bewusst zu machen. Bemerkbar macht sich die Nervosität laut Schürmann auch durch Stressatmung, die im Gegensatz zur Ruheatmung flacher ist. Mit dem Luftholen hebt und senkt sich dabei nicht so sehr die Bauchdecke, sondern eher der Brustkorb. Wer merkt, dass der Stress kommt, sollte schon vor dem Vortrag gegensteuern und einen tiefen Ton erzeugen - "teddybärbrummartig" nennt Schürmann das. Dabei langsame Kaubewegungen machen, Lippen locker lassen, Zähne nicht aufeinanderbeißen. Nach einigen Sekunden sollte der Redner aus dem Brummton heraus den ersten Satz seiner Rede sprechen. Das entspanne den Kehlkopf.

Stimmsenkungen und Pausen geben den flott vorgetragenen Sätzen Struktur. In entspannten Alltagssituationen senke der Mensch automatisch nach jeder Sinneinheit die Stimme und mache eine kurze Pause, erklärt Teuchert. Bei Vorträgen vergessen das viele, denn sie wissen ja schon, welche Sinneinheit als nächstes folgt - im Gegensatz zu den Zuhörern. Eine Sinneinheit sollte etwas weniger als 10 Sekunden dauern. "In drei Minuten sollten es schon 18 bis 20 Stimmsenkungen gewesen sein", sagt die Expertin. In Kombination mit Pausen bieten sie dem Publikum nicht nur Gelegenheit, das Gesagte zu reflektieren und zu speichern. Deutliche Stimmsenkungen sind auch Glaubwürdigkeitsmerkmale. "Das strahlt Seriosität aus."


dpa-Magazin / mag
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