So halten Ältere im Job bis zur Rente mit

Das Berufsleben in der Zukunft lässt sich mit einem Marathonlauf vergleichen. Beschäftigte müssen ihre Kondition daher gut einteilen. (Foto: Stefan Sauer)

Für die einen ist es Hiobsbotschaft, für die anderen Grund zur Freude: In Zukunft werden Beschäftigte deutlich länger arbeiten als heute. Schon jetzt arbeiten laut dem Statistischen Bundesamt so viele Ältere wie nie.

2012 war knapp die Hälfte (49,6 Prozent) der 60- bis 64-Jährigen am Arbeitsmarkt aktiv. Binnen zehn Jahren hat sich der Anteil damit fast verdoppelt (2002: 25,1 Prozent). Und in Zukunft wird mit 65 noch lange nicht Schluss sein. "Immer mehr Menschen werden in Zukunft zwischen 65 und 70 Jahren noch arbeiten", sagt Prof. Lutz Bellmann vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Selbst über 70-Jährige, die in Teilzeit arbeiten, werden keine Seltenheit sein.

"Die längere Berufstätigkeit wird zum einen materielle Gründe haben", sagt Götz Richter. Er forscht zum Thema demografischer Wandel in der Arbeitswelt bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Die Renten schrumpfen. Mancher werde es sich in Zukunft nicht leisten können, im Alter nicht zu arbeiten, wenn er privat nur schlecht vorgesorgt hat. Gleichzeitig wandele sich das Selbstverständnis der Senioren. Mit Mitte 60 oder 70 seien viele heute noch topfit. Diese rüstigen Senioren werden sich zu jung für die Rente fühlen.

Immer länger dabei

Doch was bedeutet es für Beschäftigte, wenn sie immer länger im Job bleiben? "Das Erwerbsleben der Zukunft lässt sich mit einem Marathonlauf vergleichen", sagt Richter. Um den langen Lauf bis zur Rente zu meistern, müssen Beschäftigte ihre Kondition einteilen. Das erfordere, sich regelmäßig weiterzubilden, sagt die Karriereberaterin Svenja Hofert aus Hamburg. Beschäftigte sollten regelmäßig Stellenanzeigen aus dem eigenen Bereich lesen und überprüfen, ob sie die dort verlangten Fertigkeiten haben. Was fehlt, eignen sich Mitarbeiter am besten mit einer Weiterbildung selbst an. Eine Fortbildung pro Jahr sei das Minimum.

Außerdem sollten Beschäftigte im Job nach Herausforderungen greifen, wenn sie sich ihnen anbieten, erklärt Richter. "Klar macht es Stress, wenn ich in der Firma die Tätigkeit wechseln muss", sagt Richter. Doch gerade jene, die als Vorreiter solche Herausforderungen annehmen, bleiben geistig flexibel.

Auf den ersten Blick wirkt es für viele erschreckend, dass die Zeit bis zur Rente sich immer länger hinziehen wird. Doch die Flexibilität bietet auch Chancen, erklärt Gundolf Meyer-Hentschel. Er berät Firmen zum demografischen Wandel. In Zukunft werden Menschen mit Ende 60 nicht zum alten Eisen gehören. Wer dann noch fit ist, könne auch dann noch einmal den Neustart wagen. .


dpa-Magazin / mag
0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.