Weiterbildungen werden immer wichtiger

Gibt es neue Technik und Software? Mindestens einmal pro Jahr sollten Mitarbeiter überprüfen, ob sie noch "up to date" sind. (Foto: Andrea Warnecke)

Da ist ein neues Betriebssystem, das ganz anders aussieht als das alte. Es gibt ein neues Gerät, das den alten Arbeitsablauf verkürzt. Da sind neue Kommunikationskanäle, die neue Fähigkeiten verlangen. Scheinbar von einem Tag auf den anderen verändert sich die eigene Arbeitswelt - und plötzlich schleicht sich das Gefühl ein, nicht mehr up to date zu sein. Ohne Weiterbildung ist es kaum möglich, dann Schritt zu halten.

Auf der Höhe der Zeit zu bleiben, ist laut Prof. Lutz Bellmann vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung eine der wesentlichen Herausforderungen für den Berufstätigen von morgen. "Denn die Bedingungen am Arbeitsplatz wandeln sich immer schneller." Der technische Fortschritt und die Internationalisierung des Wirtschaftslebens zwinge viele Firmen, sich immer neu anzupassen. Das bringe auch viele Veränderungen für die Arbeitnehmer mit sich - und die Notwendigkeit, sich permanent weiterzubilden."Niemand darf heute mehr damit rechnen, seinen Arbeitsplatz für die nächsten 20 Jahre zu haben", sagt Bellmann. Es sei auch unwahrscheinlich, dass jemand, der heute in den Beruf einsteigt, über 30 oder 40 Jahre dieselbe Arbeit macht. Umso wichtiger sei es, dafür zu sorgen, auf der Höhe der Zeit zu bleiben. "Früher war Weiterbildung im Job eher die Kür, heute ist sie eine Notwendigkeit."

Weiterbildung - das ist ein vager Begriff. Gemeint ist damit jedes Dazulernen nach dem ersten Berufsabschluss. Abgesehen von dem erhöhten Anpassungsdruck sind die Motive für einen Fernlehrgang, ein Seminar oder einen Workshop seit Jahren immer die gleichen: "Einer möchte etwas für seine Karriere tun, der nächste will mehr Geld verdienen, der Dritte will in seinem Job besser werden, und der Vierte will sich vor Arbeitslosigkeit schützen", sagt Knut Diekmann, zuständig für den Bereich Weiterbildung beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK).

Das Engagement der Deutschen ist beim Thema Weiterbildung seit Jahren verhältnismäßig konstant: So hat 2010 fast jeder zweite Erwachsene im Erwerbsalter (42 Prozent) eine Weiterbildung gemacht, allerdings mehrheitlich im Betrieb. Nur 12 Prozent haben an einer individuellen Weiterbildung teilgenommen, die mit ihrer Arbeit zu tun hatte. Das hat eine repräsentative Umfrage von TNS Infratest Sozialforschung ergeben. Für die Studie wurden im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung und Bildung 7035 Personen befragt. Schon zehn Jahre zuvor lag die Teilnahmequote bei Weiterbildungen ähnlich hoch - nämlich bei 43 Prozent.

Dabei steht der Einzelne vor einem kaum zu überschauenden Markt. Die Zahl der Angebote liegt laut der Datenbank Kursnet der Bundesagentur für Arbeit bei rund 670 000.

Aber woher weiß der Einzelne überhaupt, dass es an der Zeit ist für eine Weiterbildung? "Googeln", rät die Karriereberaterin Svenja Hofert. Sie empfiehlt, sich einmal pro Jahr hinzusetzen und nach Stellenausschreibungen zu suchen, die auf die derzeitige Position passen. "Spätestens, wenn dort etwas verlangt wird, das ich nicht beherrsche, sollte ich mich weiterbilden."

Als Ziel könnten sich Berufstätige setzen, eine Weiterbildung pro Jahr zu machen. Das müsse nicht immer eine fachliche Fortbildung sein. Gut sei auch, Soft Skills wie Teamarbeit zu schulen. Wer sich zu diesem jährlichen Modernisierungskurs zwingt, läuft weniger Gefahr, irgendwann hinterherzuhinken.


dpa-Magazin / mag
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