Wenn Papa falsch liegt: Eltern-Ratschläge zur Jobwahl hinterfragen

In welche Richtung soll es gehen? Für viele Schüler ist die Berufswahl die schwierigste Entscheidung, die sie je getroffen haben. Doch die Sache auf die lange Bank zu schieben, bringt nicht viel. (Foto: Westend61/Werner Dietrich)

Geht es an die Berufswahl, hören viele Jugendliche vor allem auf die Eltern. Doch obwohl die das Beste für den Nachwuchs wollen, geben sie nicht immer die besten Tipps. Denn in einer sich rasch wandelnden Arbeitswelt finden auch sie sich nicht immer zurecht. Berufsberater erzählen, welche Tipps Eltern ihren Kindern häufig geben, die sie kritisch sehen.

 • "Guck’, dass Du bei einer großen Firma unterkommst": Wer den Einstieg bei einer großen Firma schafft, hat einen sicheren Arbeitsplatz. Das ist ein gängiger Eltern-Tipp. In der Vergangenheit mag das gestimmt haben. Doch heute gilt das nur noch bedingt, sagt Svenja Hofert, Karriereberaterin aus Hamburg. Sie rät, als Berufsanfänger eher dort anzufangen, wo man viel lernen kann. Ist das in eher kleinen Firmen der Fall, gehen Absolventen besser dorthin. "Die Lernkurve wird sich auszahlen, aber erst später", glaubt Hofert.

 • "Mach’ es anders als ich": Der Vater ist als Angestellter unglücklich? Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er dem Nachwuchs zu Berufen rät, in denen er später sein eigener Chef ist. Doch es anders zu machen als die Eltern, hat mit den Talenten des Kindes nichts zu tun, sagt Martin Neumann von der Arbeitsagentur München. Auch wenn es schwer ist: Hier sollten Jugendliche versuchen, sich darauf zu besinnen, was sie können und was sie interessiert. Das gilt auch für den umgekehrten Ratschlag: Immer wieder komme es vor, dass Eltern sich wünschen, dass Kinder ihre Träume verwirklichen.

 • "Mach’, was Du für richtig hältst. Wir mischen uns da nicht ein!": Manche Eltern wollen ihren Kindern umgekehrt die größtmögliche Freiheit lassen. Der Grund kann sein, dass sie ihr Kind in keine Richtung drängen wollen – oder sie mit der Vielzahl der Ausbildungsmöglichkeiten überfordert sind. Das ist gut gemeint – und doch verkehrt, sagt die Karriereberaterin Julia Funke aus Frankfurt am Main. Jugendliche brauchen das Feedback der Eltern, keiner kennt ihre Stärken und Schwächen so genau wie Mutter und Vater. Sie rät Schülern deshalb, gezielt nachzufragen: "Was denkst Du denn, kann ich gut?"

 • "Überleg Dir, was Du wirst. Den Beruf hast Du Dein Leben lang": Mit diesem Rat wollen Eltern dem Nachwuchs die Tragweite der Entscheidung klarmachen. Hören Jugendliche das jedoch zu oft, sind sie nicht selten völlig blockiert. Die Entscheidung scheint so schwierig zu sein, dass viele dazu neigen, sie erst einmal aufzuschieben. Warum nicht erst einmal Au-Pair machen oder ein Jahr lang Praktika absolvieren. Hier sollten Jugendliche versuchen, zu akzeptieren, dass sie eine Entscheidung treffen müssen, erklärt Neumann von der Arbeitsagentur München. Es führt kein Weg daran vorbei, die eigenen Stärken und Schwächen zu analysieren und eine Vorstellung davon zu entwickeln, was man beruflich erreichen will. mag
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