Werkbank statt Hörsaal: Chancen für Studienabbrecher

Julian Seidel hat beruflich schon einiges probiert: Studium, Ausbildung, Abteilungsleiter. (Foto: Doris Waltersbacher)

Etwa jeder vierte Bachelorstudent bricht sein Studium ab. Doch was kommt danach? Was viele nicht wissen: Es gibt die Möglichkeit, als Studienabbrecher in eine verkürzte Ausbildung zu wechseln.

Tanja Lakeit hat fast täglich in der Beratung junge und nicht mehr ganz junge Leute sitzen, die sich mit dem Gedanken tragen, ihr Studium abzubrechen. Sie betreut die Studienabbrecher bei der Berliner Industrie- und Handelskammer. "Viele haben einen defizitären Blick auf sich, meinen, sie schaffen nichts", sagt sie. Doch das Gegenteil ist der Fall: "Man muss den Hebel umschalten: Die Kandidaten sind attraktiv, sie bringen eine Menge Erfahrungen und Fähigkeiten mit."

Julian Seidel hat Abitur gemacht, Anglistik und Soziologie an der RWTH in Aachen studiert – und nach sechs Semestern im Magister-Studium abgebrochen. Mittlerweile lässt er sich bei einem mittelständischen Unternehmen zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung ausbilden. Mit inzwischen 34 Jahren und der Unterstützung einer Initiative, die in Aachen Studienabbrecher mit Unternehmen zusammenbringt.

Modellprojekt Switch

Switch startete 2011 als Modellprojekt, erläutert Thomas Hissel. Er ist stellvertretender Fachbereichsleiter für Wirtschaftsförderung bei der Stadt Aachen. Das Projekt wurde mit regionalen Partnern entwickelt, 180 Firmen machen mit und bieten Ausbildungsplätze an. Julian Seidel ist froh, dass er in das Programm gekommen ist. Nach der Schule sei er in eine Falle getappt: "Ich dachte, ich habe Abitur und dann muss ich auch studieren", sagt er.

Viele haben aber Probleme, dies im Lebenslauf gut zu verpacken. Darum rät Lakeit jedem Bewerber, zunächst überzeugende Unterlagen zu erstellen. Ein Lebenslauf, der auch die Credits der Hochschule beinhaltet, gehört zum Beispiel dazu.

Stefan Grob, Sprecher des Deutschen Studentenwerks, ermutigt junge Leute, den Schritt in die Ausbildung zu gehen, wenn sie merken, dass die Hochschule nicht der richtige Weg für sie ist. "Es geht nicht darum, die akademische gegen die berufliche Ausbildung zu stellen", erklärt Grob. Tanja Lakeit sieht das so: "Wir sind keine Konkurrenz zur Hochschule, sondern bieten jungen Leuten einen Mehrwert."

Erfolgreich sind die Studienabbrecher noch dazu: "Alle, die bislang mitgemacht haben, haben es geschafft", erzählt Lakeit. Das Berliner Projekt arbeitet vor allem mit kleinen und mittleren Unternehmen zusammen, die für den eigenen Bedarf ausbilden. "Sie schätzen vor allem, dass sie Abiturienten als Azubis haben – die aber nicht an die Hochschulen wollen." mag
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