Wie sich Jung und Alt im Job ergänzen

Altersgemischte Teams sind oft leistungsfähiger. Die Kompetenzen von Jung und Alt ergänzen sich. (Foto: Ing-Diba AG/Fritz Philipp)

Als Rudolf Reichenauer vor zehn Jahren das BMW-Werk in Leipzig mit aufbaute, suchte er gezielt nach älteren Beschäftigten. Der Leiter der Abteilung Arbeitsumfeld und Gesundheit beim Münchner Autobauer ist überzeugt, dass gemischte Teams deutlich bessere Leistungen erbringen als Abteilungen mit einer homogenen Altersstruktur.

"Ältere haben häufig sehr viel Erfahrung und Know-how. Sie können aber etwas altersmüde sein", sagt Bernd Dworschak vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation. Jüngere Kollegen sorgten dann für Dynamik im Team. Viele Jüngere kennen sich außerdem mit neuen Technologien sehr gut aus. Gleichzeitig fehlt ihnen oft die Erfahrung. Altersgemischte Teams sind deshalb deutlich leistungsstärker als Teams mit Mitarbeitern in einem Alter.

Doch solche Teams bergen auch ein großes Konfliktpotenzial. Die Wertesysteme von Jung und Alt sind häufig sehr unterschiedlich. Zu Themen wie Zeit, Pflichtgefühl und Loyalität hätten verschiedene Generationen nicht selten unterschiedliche Ansichten, sagt Ralf Overbeck, Coach zum Thema Generationenmanagement.

Weiter besteht die Gefahr der Grüppchenbildung. Gerade wenn eine Altersklasse zahlenmäßig überwiegt und den Ton angibt, fühle sich die andere schnell unterdrückt, gibt Forscher Dworschak zu bedenken. Außerdem könne Missgunst entstehen. Zwar sind die Älteren statistisch gesehen seltener krank. Fallen sie jedoch aus, sind sie im Schnitt deutlich länger arbeitsunfähig als ihre jüngeren Kollegen. Die müssen die Arbeit nicht selten mitmachen. Trotzdem verdienen Ältere in der Regel mehr Gehalt als die Jüngeren.

Damit die Zusammenarbeit klappt, müssten beide Seiten jedoch Toleranz mitbringen - und dem Gegenüber Respekt zollen. Prescht ein junger Kollege wieder einmal mit einer Idee vor, sollten sich Ältere daran erinnern, wie sie selbst in diesem Alter waren, rät Reichenauer von BMW.

Mit der Zusammenarbeit im Team hatte Sabine Keller bislang keine Probleme. Sie ist eine der Absolventinnen des Programms "Ausbildung 50+" der Ing-Diba. Seit 2006 bildet die Bank jedes Jahr mehrere Ältere zu Bankassistenten aus, da die Kunden sich häufig auch lebenserfahrene Berater wünschen. Seit einem Jahr arbeitet sie mittlerweile in der Immobilienabteilung. Als sie damals auf Jobsuche ging, war sie gerade einmal 50 Jahre alt. Doch auf dem Arbeitsmarkt zählte sie bereits zum alten Eisen. "Ich bin sehr froh über diese Möglichkeit."


dpa-Magazin / mag
0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.