10.1.2018: Vortrag von Wout Arentzen im Neuen Museum, Museumsinsel Berlin

Heinrich Schliemann. Foto: Ed. Schultze Hofphotograph Heidelberg Plöckstrasse 79, Selbstbiographie. Leipzig, Brockhaus, 1892 (Foto: Ed. Schultze)
 
Zuhörerschaft im Griechischen Hof, Neues Museum, Museumsinsel Berlin. (Foto: Dr. Heino Neumayer)
 
Putzger. Hissarlik - Umgebung von Troja, Dardanellen (griech. Hellespont), nach H. Schliemann. Heutige Türkei. (Foto: wikipedia)
Berlin: Neues Museum, Museumsinsel Berlin |

„Heinrich Schliemann in den Niederlanden … und was er selbst darüber erzählt hat“. Zum Leben des Begründers der modernen Feldarchäologie und deutschen Troja-Forschers Heinrich Schliemann

Heinrich Schliemann (1822-1890) ist kein Mythos – zu seinem 196. Geburtstag (6.1.2018) hielt der niederländische Archäologe und Forscher Wout Arentzen am 10.1.2018 im Neuen Museum einen beeindruckenden Vortrag, begrüßt vom Berliner Landesarchäologen und Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte Matthias Wemhoff im Schliemann-Saal des Neuen Museums***.

Hier wird Heinrich Schliemanns „Sammlung trojanischer Altertümer“, gemäß seiner Schenkung an das deutsche Volk 1881, heute bewahrt. Der von Schliemann selbst so genannte „Schatz des Priamos“ ist in Kopien dort zu sehen. Zahlreiche Originale der Schliemann-Sammlung befinden sich noch in Moskau. Dieser Abend gilt als Museums-Auftakt zum Europäischen Kulturerbejahr ECHY 2018. Mit dem Freundeskreis für Alteuropäische Geschichte und Archäologie – FAGUA e. V. – wurde gleichzeitig das neue Jahr begrüßt.

Der Vortrag von Wout Arentzen im Neuen Museum ist auf die Jahre 1841-1846 fokusiert. Im Zentrum seines Vortrages steht das Jahr 1841, wo Schliemann Mecklenburg verließ und nach Hamburg ging: „Schliemann hat zwei Autobiographien und eine gro0e Anzahl von Briefen hinterlassen. Leider sind diese Quellen aber nicht immer zuverlässig. Was sie aber mit Gewißheit zeigen, ist, dass er neben einem großen Talent für das Geschäftliche auch ein ebensolches Talent für das Erzählen von Geschichten mit sich selbst in der Hauptrolle hatte.“

In Hamburg konnte er nicht bleiben – völlig mittellos und verloren, dann doch gerettet durch einen gutherzigen Schiffsmakler reist er unter widrigen Umständen von Hamburg aus nach Kolumbien. Doch bereits nördlich von Texel (Niederlande) gerät die „Dorothea“ in einen schweren Sturm und das Schiff strandet. Die Reise war zu Ende.

Selbst als Schiffbrüchiger verstand er sein Schicksal als Chance zu etwas Neuem. Er geht nach Amsterdam, mit Hilfe eines Preußischen Konsuls und eines Hamburger Mäzens fasst er Fuß. Um in einem Handelshaus zu arbeiten, musste man mehrerer Sprachen mächtig sein und über eine ausgezeichnete Handschrift verfügen. Schliemann war ein äußerst neugieriger Spracherkunder und zäher Lebenskünstler. Vielleicht auch ein Getriebener, der mit großem Fleiß und Einfallsreichtum mehrere Sprachen lernte.
Arentzen erwähnt, dass „Schliemann, so sein Bericht, an einem Kursus des berühmten Brüsseler Kalligraphen Magnee teilnahm, der sich zu dieser Zeit in Amsterdam aufhielt.“

1846 wendet sich für Schliemann, nach seiner Idee in Russland eine Niederlassung zu gründen, das Blatt. Er hat als Kaufmann eine glückliche Hand, verdient anhaltend gut und bringt es zu großem Vermögen, das ihm dann die Ausgrabung Trojas gestattet. Nach seiner ersten Reise nach Kalifornien 1850-1852 heiratet er. Die erste Ehe lässt er allerdings später anulieren, um 1869 als amerikanischer Staatsbürger eine Griechin, Sophia, zur Frau zu nehmen. 1871 beginnt die erste Grabungskampagne in Troja. 1873 entdeckt er den sog. "Schatz des Priamos", den er unerlaubt ausführt. Sophias Fotos, auf denen sie die goldenen Diademe, Ohrgehänge und Lockenringe aus dem „Goldschatz des Priamos“ trägt, werden weltbekannt. Detailliertes zum Leben Schliemanns findet sich hier http://www.schliemann-museum.de/hsm/biografie.html

Das Bemerkenswerte am Vortrag von Arentzen im Griechischen Hof des Neuen Museums ist bereits im Titel des Vortrages „Schliemann in den Niederlanden … und was er selbst darüber erzählt hat“ erkennbar. Arentzen, auch als Autor zahlreicher Bücher zur Archäologie bekannt, hat sich methodisch streng an die zum Teil durch ihn entdeckten Quellen und vorhandenen Autographen gehalten, indem er sie Zentimeter für Zentimeter, besonders zur Hamburger und Amsterdamer Zeit Schliemanns studierte und auswertete. Dabei gelang ihm die Erkennung von Zusammenhängen, die der Wirklichkeit eher entsprechen dürften, als sie gelegentlich durch Schliemann selbst in seinen oft eigenromantischen Darstellungen gewesen sein dürften. Schliemann und Troja ist ein weites Feld – könnte man sagen. Wout Arentzens Buch „Schliemanns dramatische Reise im Jahr 1841“ erschien 2014 bereits in 2. Auflage im Heinrich Schliemann Museum Ankershagen und war dem Forscher Dr. Gustav Mahr gewidmet.

Schliemanns Geburtsort Neubukow und der südlicher, im heutigen Landkreis Müritz gelegene Ort Ankershagen sind durch Schliemann bekannte Orte. 1980 wurde im ehemaligen Elternhaus Heinrich Schliemanns die Schliemann-Gedenkstätte eröffnet, womit die Forschung zu Schliemann Fahrt aufnahm. Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburg stellte Ausstellungsräume im Pfarrhaus zur Verfügung. 1986 erfolgte die Gründung des hauptamtlich geleiteten Heinrich Schliemann Museums Ankershagen, die Fördervereinsgründung erst 1991.
http://www.schliemann-museum.de/index.html

Das schöne dörfliche Gebäudeensemble wurde saniert und das „Silberschälchen“ – ein Teich im Pfarrgarten – gehört zu den Kleinoden in dieser nördlichen Landschaft. Sein Leben endet am 26. Dezember 1890 in Neapel, nachdem er sich einen Monat zuvor in Halle/Saale einer Ohrenoperation unterziehen musste. Am 4. Januar 1891 wird Schliemann auf dem Athener Zentralfriedhof beigesetzt.

Anne Schäfer-Junker, Ortschronistin von Französisch Buchholz
(info@hugenottenplatz-berlin.de)

***Französisch Buchholz hat einen ortsgeschichtlichen Bezug zur Prähistorie und Archäologie und den Königlichen Museen. 1857 wird nordöstlich bei Französisch Buchholz eine Kinderurne nebst Deckelfragment und Beigefäß in Gegenwart des Königlichen Direktors von Ledebur ausgegraben. Notiz: “Eine Schachtel, enthaltend Fragemente von Bronze in zwei Urnen nebendaselbst gefunden von dem Arbeitsmann Strecker. Generaldirektor Ignaz von Olferts zeichnet die Inventarisierung am 17. Oktober 1857. Leopold Freiherr von Ledebur (1799-1877) war Historiker, Adelsforscher und Heraldiker und wird bei Errichtung des Neuen Museums in Berlin Direktor der Königlichen Kunstkammer, des Museums für Vor– und Frühgeschichte und der ethnographischen Sammlungen. (Ortschronik von Französisch Buchholz)
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