Auf Johann Joachim Winckelmanns Spuren: Ursula Kästner

Portrait Ursula Kästner. Foto: Anne Schäfer-Junker
Berlin: Altes Museum |

Ursula Kästner beendet ihren Dienst als Kustodin der Antikensammlung, geht aber nicht in den "Ruhestand".

Es gibt seltene Berufe die tief von innerer Hingabe geprägt sind – Kustoden in den Sammlungen von Museen gehören unbedingt dazu. In solch hochkarätigen Sammlungen wie der Antikensammlung auf der Berliner Museumsinsel haben sie zudem nur eine Chance auf ein "vorzeigbares" Lebenswerk: wenn sie sich auf unendliche Zeiten mit ihren Sammlungsobjekten beschäftigen können. Kustoden (vom lateinischen custos für „Aufseher“, „Hüter“ oder „Wächter“) sind nicht nur Wächter und Versöhner, sondern auch Sammler - in Vasensammlungen von tausenden Scherben - und vor allem Menschen mit endlosem Wissen und scharfen Blicken in Epochen und Stilgeschichte. Tiefe Geheimnisse berühren sie mit ihren Händen zur Erklärung der Zusammenhänge und scheuen sich, in ihren Betrachtungen Endgültiges so zu fixieren, dass die Spuren der Geschichte verwischen.
Auf Ursula Kästner dürfte das zutreffen. In ihrer letzten Ausstellung vor ihrem Start in den Ruhestand „Gefährliche Perfektion – Antike Grabvasen aus Apulien“ im Alten Museum (17.06.2016 bis 18.06.2017), macht sie dies deutlich: „Dreizehn Vasen des 4. Jahrhunderts v. Chr. aus Apulien in Süditalien gehörten zu den letzten ‚Kriegsruinen’ unserer Vasensammlung. Man hatte sie im 19. Jahrhundert zerbrochen gefunden und mit Leim gekittet. Viele dieser alten Klebungen sind im Krieg wieder aufgegangen und die Vasen sind erneut zerfallen. Zusammen mit dem amerikanischen J. Paul Getty Museum wurden sie mit modernsten Methoden in einem sechsjährigen Kooperationsprojekt vollends hergerichtet und ihre Geschichte genau untersucht. Es sind aufwendig verzierte Vasen aus Ceglie del Campo bei Bari in Apulien. Sie geben Einblick in die Bestattungssitten der dort vor 2500 Jahren einheimischen wohlhabenden Bevölkerung. Die Gefäße sind mit abwechslungsreichen Szenen aus der griechischen Mythologie bemalt. Der plötzliche Tod durch Kampf und Krieg wird hier ebenso thematisiert wie ein glückseliges Leben in dionysischen Gefilden."
Ursula Kästner und ihr Mann Volker Kästner sind nicht nur miteinander verheiratet sondern auch fast lebenslänglich mit der Berliner Antikensammlung – er ist Spezialist für den Pergamon-Altar. Von Ruhestand keine Spur ...
Anne Schäfer-Junker (anne.junker@gmx.de)
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