Ausstellung zur Grenzgeschichte am Spreeufer

Die einstige Hinterlandmauer an der Eisfabrik. Bewohner des Tipi-Dorfes haben Bilder an die Wand gehängt. (Foto: Dirk Jericho)

Mitte. Der ehemalige Grenzbereich an der Schillingbrücke wurde nach der Wende Epizentrum der Techno- und Clubbewegung. Die Ausstellung "Erinnerungsräume Berliner Mauer und Clubkultur" bringt diese unterschiedlichen Ebenen der Geschichte zusammen.

Bootsbunker, Postenweg, Stacheldrahtzaun oder Beobachtungsposten - am Uferstreifen hinter der Eisfabrik zwischen Schillingbrücke und Michaelkirchstraße sind noch zahlreiche Relikte der DDR-Grenzanlagen erhalten. Wo einst scharf geschossen wurde und Menschen bei Fluchtversuchen zu Tode gekommen sind, hat sich nach dem Fall der Mauer eine neue Clubkultur und Partyzone entwickelt.

"Im unmittelbaren Umfeld von wenigen hundert Metern bildeten hier Clubs wie der Planet, das Deli, die Maria, die Bar 25, das Kater Holzig und das Kiki Blofeld ein Epizentrum dieser Bewegung", sagt Eberhard Elfert. Den Historiker interessieren diese unterschiedlichen Ebenen der Geschichte. Zum 25. Jahrestag des Mauerfalls hat Elfert die Ausstellung "Erinnerungsräume Berliner Mauer und Clubkultur" konzipiert, die am 9. November um 18 Uhr im "neu west berlin" in der Köpenicker Straße 55 eröffnet wird. "Die einen erinnern sich an wilde Partys, wenn sie an diesem Ort sind, die anderen an die schlimme Mauergeschichte", so Elfert. Beide Sichtweisen seien wichtig.

Er kämpft für den Erhalt der noch vorhanden Mauerreste und möchte diese in ein Gedenkkonzept integrieren. Einen "Erinnerungsort für die Mauer und die Technokultur" nennt er das. Der Bezirk plant einen öffentlichen Spreeuferweg zwischen Märkischem Ufer und Schillingbrücke. Auch der Bebauungsplan "Holzufer" ist in Arbeit. Dass das Thema Erhalt der noch vorhandenen Grenzanlagenreste auch politisch angekommen ist, zeigt, dass der BVV-Stadtentwicklungsausschuss am 3. Dezember vor Ort im alten Bootsbunker der Grenztruppen tagt. "Es wird jetzt auch diskutiert, die Erinnerung an die Clubkultur und die Mauergeschichte zu verbinden", freut sich Elfert.

In der Ausstellung sind historische und aktuelle Fotos sowie Pläne zur geplanten Umgestaltung zu sehen. Zur Eröffnung am 9. November werden draußen Filme zur elektronischen Musik gezeigt, die mit der Clubkultur und dem Ort verbunden sind; unter anderem "Party auf dem Todesstreifen" und der Technofilm "Berlin Calling" mit DJ Paul Kalkbrenner als Hauptdarsteller.

Die Ausstellung wird vom Bezirksamt gefördert ist bis zum 23. November täglich von 14 bis 19 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.


Dirk Jericho / DJ
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