Bronze-Kinder suchen Heimat: Skulptur soll jetzt an der Marienkirche aufgestellt werden

Zwei Jahrzehnte nach dem Auftrag wurde die Skulptur von Evelyn Hartnick-Geismeier 2013 im Monbijoupark aufgestellt, musste wegen Vandalismusschäden wenige Wochen später wieder abgebaut werden. (Foto: Evelyn Hartnick-Geismeier)
Berlin: Marienkirche |

Mitte. Das Bezirksamt sucht einen Ort für den Fünf-Kinder-Tröpfelbrunnen, wie die Bildhauerin Evelyn Hartnick-Geismeier ihre Skulptur mit fünf lebensgroßen Kindern aus Bronze unter einem Regenschirm genannt hat. Das Kunstwerk hat sie bereits vor der Wende für den Bezirk Mitte geschaffen.

Über zwei Jahrzehnte stand die Bronzeskulptur im Vorgarten des Hauses von Evelyn Hartnick-Geismeier in Niederschönhausen. Passanten bewunderten die Kindergruppe, die die Bildhauerin vor fast 30 Jahren im Auftrag des Magistrats als Brunnen für die Musikschule Mitte am Köllnischen Park entworfen hatte. Doch durch die Wende 1989 wurde aus der Aufstellung wegen neuer Grundstücks- und Eigentumsverhältnisse nichts mehr. Die Ämter hatten andere Sorgen, mit dem Projekt vertraute Mitarbeiter wechselten. Evelyn Hartnick-Geismeier stellte die Bronze-Kinder in ihren Garten. Eine Kinderklinik aus Görlitz wollte vor ein paar Jahren den Brunnen, eine Kieler Schule und auch Hartnick-Geismeiers Heimatstadt Finsterwalde hätte die vergessene Skulptur gern erworben, wie die Künstlerin erzählt. Doch das Werk gehört dem Bezirk, der einen Verkauf nie genehmigte.

„Sehr zufrieden“ war Evelyn Hartnick-Geismeier, als die Skulptur schließlich im September 2013, wie Andre Mille vom Grünflächenamt sagt, im Monbijoupark aufgestellt wurde; aus Kostengründen allerdings nicht als Brunnen, wie ursprünglich konzipiert. Hochbetagt und bereits an den Rollstuhl gefesselt war die heute 84-jährige Künstlerin bei der Aufstellung dabei.

Doch bereits nach wenigen Wochen musste Mille die Kinder unterm Regenschirm wieder abbauen lassen, weil die Skulptur beschmiert und der Schirm völlig verbogen wurde. Seitdem steht sie, mittlerweile restauriert, in der Alt-Glienicker Werkstatt von Kunstschmied Bernd Helmich. Mille hat auch schon eine Idee, wo er die Kindergruppe aufstellen möchte. Nach dem Abschluss der Bauarbeiten um die Marienkirche soll die Skulptur auf den Kirchhof kommen. Für Evelyn Hartnick-Geismeier wäre dies ein guter Standort. Sie möchte, dass viele Menschen ihr Werk auch sehen. Noch besser fände sie, wenn der Fünf-Kinder-Tröpfelbrunnen im Roten Rathaus aufgestellt werden könnte.

Die Künstlerin kämpft um mehrere Werke, die in Vergessenheit geraten sind. Zum Beispiel ihr vier Meter langes Relief „Altes Berlin - Neues Berlin“ aus Bronzespritzguss. Das Relief mit verschiedenen Motiven wie Pferdebahn, Berlins erstem Autobus, Badenden oder einem Gartenlokal und in der Mitte Fernsehturm und Marienkirche hängt seit vielen Jahren im Speisesaal eines Seniorenheims in der Magazinstraße. „Völlig unangemessen“, findet Evelyn Hartnick-Geismeier. Sie hatte das Relief ebenfalls zu DDR-Zeiten für das damalige Rathaus Mitte im Berolinahaus hergestellt, wo es auch hing. Nach dem Auszug der Behörde wurde das Relief eingelagert und später in der ehemaligen Poliklinik der Bauarbeiter in der Magazinstraße, dem heutigen Seniorendomizil, aufgehängt. „Mir wurde damals zugesagt dass das Relief dort maximal drei Jahre bleibt, bis ein richtiger Standort feststeht“, so Hartnick-Geismeier. Die Witwe von Willi Geismeier, in der DDR Direktor der Deutschen Nationalgalerie Berlin, kämpft seit Jahren darum, dass ihr Werk öffentlich ausgestellt wird. Das Bezirksamt als Eigentümer des Kunstwerks verhandelt mit der BVG, um das Relief aufzuhängen. Laut Andre Mille würde das Berlinmotiv sehr gut in den Bahnhof Alexanderplatz passen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir das hinkriegen und das Relief bald aufhängen können“, so Mille. DJ
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