Denkmal für den jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn eingeweiht

Der Künstler Micha Ullman hat das Denkmal „Haus Mendelssohn“ gestaltet. (Foto: Dirk Jericho)
 
Regen zur Einweihung. Micha Ullman, André Schmitz, Regula Lüscher und Tim Renner. (Foto: Dirk Jericho)

Mitte. Acht Jahre nach den ersten Planungen wurde jetzt an der Spandauer Straße/Ecke Karl-Liebknecht-Straße das Denkmal „Haus Mendelssohn“ des israelischen Künstlers Micha Ullman eingeweiht.

Zwölf Fenster, eine Tür und eine Kopie der originalen Gedenktafel, die 1829 zum 100. Geburtstag Moses Mendelssohns am Haus Spandauer Straße angebracht wurde, das an der Stelle bis 1887 stand, zeigen den Fassadengrundriss der einstigen Hausfront. Das später auf dem Grundstück errichtete Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und dann abgerissen.

Sieben mal 13 Meter groß ist das Bodendenkmal, das an das Gebäude der Berliner Aufklärung in der Spandauer Straße 68 erinnert, in dem der Philosoph Moses Mendelssohn, berühmtester Vertreter der jüdischen Aufklärung und Pionier des modernen Judendtums, mit seiner Familie ab 1762 wohnte und Intellektuelle aus verschiedenen Religionen zum Dialog einlud. Künstler Micha Ullman hat den Fassadengrundriss nach einem alten Foto am historischen Ort in Form einer begehbaren Bodenskulptur auf die Erde geklappt.

Spiegelung am Boden

Wenn es regnet, spiegelt sich der Himmel, Berlin und man selbst in den nassen Marmorplatten der stilisierten Fenster. Das gehört zum künstlerischen Konzept. Für die zahlreichen Gäste und Politiker wurden zur Einweihung die Fenstergrundrisse mit einem Schlauch nass gespritzt; wenige Minute später goss es wie aus Kübeln und die vielen Gäste mussten die Reden von Kulturstaatssekretär Tim Renner, Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, André Schmitz, Vorsitzender der Mendelssohn-Gesellschaft, Micha Ullmann und Hermann Simon, Gründungsdirektor der Stiftung Neue Synagoge, unter Regenschirmen hören.

Für Regula Lüscher ist die Bodenskulptur „ein innovativer Weg, Geschichte sichtbar zu machen.“ Das Abgeordnetenhaus hat gerade fraktionsübergreifend die Bürgerleitlinien zur Zukunft des Areals zwischen Fernsehturm und Spree beschlossen. In der Stadtdebatte hatte sich im vergangenen Jahr eine Mehrheit gegen die Rekonstruktion auf historischem Stadtgrundriss ausgesprochen. Das Areal soll nicht bebaut werden und ein Ort für alle bleiben. Die Spuren der Geschichte sollen durch Markierungen und archäologische Fenster sichtbar gemacht werden, so Lüscher. Das Bodendenkmal sei ein schönes Beispiel dafür. In einem früheren BVV-Beschluss zum Kunstwerk wurde kein Bestandsschutz garantiert. Sollte das Areal des sogenannten Rathausforums zukünftig wieder bebaut werden, muss die Skulptur wieder weg, hieß es damals.

„Haus der Hoffnung“

Für Micha Ullman, 1939 in Tel Aviv als Sohn deutscher Emigranten geboren, ist dieses Werk die fünfte Skulptur für Berlin. Das Mahnmal „Bibliothek“ auf dem Bebelplatz erinnert an die Bücherverbrennung von 1933 durch die Nazis. 2011 erhielt Micha Ullman den „Moses-Mendelssohn-Preis zur Förderung der Toleranz gegenüber Andersdenkenden und zwischen den Völkern und Religionen“ des Landes Berlin.

Die jetzt eingeweihte Bodenskulptur „Haus Mendelssohn“ trug anfangs den Titel „Haus der Hoffnung“. In dem Gebäude, in dem die Familie Mendelssohn ihren ersten Berliner Wohnsitz hatte, lebten auch die Aufklärer Friedrich Nicolai und Gotthold Ephraim Lessing. DJ
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