Letzte Ruhestätte hoher Militärs: Mit Bernd S. Meyer über den Garnisonkirchplatz

Berlin: Treffpunkt Stadtspaziergang |

Mitte. Schon über 800 Jahre währt die Nachbarschaft Berlins und Spandaus. Im Mittelalter führte die Spandauer Straße vom Rathaus zum Spandauer Tor der alten Stadtmauer und von dort ging der Fuhrweg auf der nördlichen Spreeseite in Richtung Havelstadt.

Als nach dem Dreißigjährigen Krieg auch Berlin mit einer Festung umbaut wurde, entstand genau hier deren XII. Bastion, die Spandauer. Ein neues Tor musste Dutzende Meter nach Norden verlegt werden, die doppelten Festungsgräben wurden überbrückt. Deshalb gibt’s bis heute die Straße "An der Spandauer Brücke".

Die erste Garnisonkirche in der Spandauer Bastion geriet bei der Explosion des nahen Pulverturms im Sommer 1720 zum Trümmerhaufen. Der Neubau bekam eine immer wieder vergrößerte Gruft, in die höchste Militärs und Beamte beigesetzt wurden. Erneuert nach dem Sieg über Napoleon, brannte sie 1908 ab, wurde wilhelminisch wiederaufgebaut, 1943 von alliierten Bomben zerstört. Propst Heinrich Grüber, Bevollmächtigter der Evangelischen Kirche, einigte sich 1949 mit dem Magistrat über die Beseitigung.

200 Verstorbene aus den Grüften wurden in ihren Preußenuniformen zum Stahnsdorfer Friedhof überführt. 1960 schützte Magistratsbaudirektor Erhardt Gißke barocke Ruinenreste noch vor dem Abriss, zwei Jahre später mussten sie der Neuplanung weichen.

Das Pfarrhaus blieb. Gegenüber stehen seit fünfzig Jahren Wohnhochhäuser. Die nahe spätgotische Kapelle des Heilig-Geist-Hospitals ist, liebevoll restauriert, einer der vier überkommenen mittelalterlichen Sakralbauten Alt-Berlins.

An den 1999 benannten Garnisonkirchplatz und den gleichaltrigen Henriette-Herz-Platz mit neuen Straßenbahnhaltestellen schließt sich seit 2010 der Litfaß-Platz an. Er gilt als schickster der drei, besitzt eine unbeklebte, große Litfaßsäule mit goldener Krone. Dort, wo die Militärkirche stand, sind seit 2012 Bronzeplastiken Berliner Bildhauerinnen zu sehen. Jenny Wiegmann-Mucchi schuf "Lumumba" zum Gedenken an den 1961 ermordeten ersten frei gewählten Ministerpräsidenten der Demokratischen Republik Kongo. Von Emerita Pansowovà stammt "Die große Palucca", Ehrung der berühmten Ausdruckstänzerin und Tanzpädagogin Gret Palucca. Zwei Plastiken der Skulpturengruppe "Sieben Gesten des aufrechten Ganges" von Sabina Grzimek sind ebenfalls aufgestellt: "Aus dem Wasser Steigender" und "Der Rufer".

Die Führung beginnt am Sonnabend, 28. Februar, 11 Uhr. Treffpunkt ist am Garnisonkirchplatz 1. Verkehrsverbindung: S-Bahnhof Hackescher Markt, Tram M 1, 4, 6, 12 sowie Bus 100, 200 ( über Spandauer Straße, Fußweg 3 Minuten). Die Teilnahme ist für unsere Leser kostenlos. Allerdings ist eine Anmeldung erforderlich: Am Freitag, 27. Februar, von 10 bis 12 Uhr anrufen unter 25 93 04 97 84 26.

/ BSM
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