Mit britischem Blick: Deutsche Geschichte im Schnelldurchlauf

Ein Modell des Grenzübergangs Friedrichstraße. (Foto: Deutsches Historisches Museum)
 
Gerhard Richters Bild seiner Tochter Betty. Ihr Blick nach hinten steht gleichzeitig als Synonym für den Rückblick, den die Ausstellung liefern soll. (Foto: Atelier Gerhard Richter)
Berlin: Martin-Gropius-Bau |

Kreuzberg. Noch bis 9. Januar wird im Martin-Gropius-Bau, Niederkirchner Straße 7, die Ausstellung. "Deutschland – Erinnerungen einer Nation" gezeigt.

Sie wurde konzipiert von Neil MacGregor, inzwischen Gründungsintendant des entstehenden Humboldt-Forums am Schlossplatz. Davor war er 13 Jahre Direktor des British Museums in London. Von dort brachte er die Erfolgsausstellung mit.

Zu sehen ist ein Schnelldurchlauf durch die deutsche Geschichte der vergangenen rund 500 Jahre und das mit einem "britischen Blick". Die Bewohner des Vereinigten Königreichs sollten erfahren und verstehen, warum dieses mitteleuropäische Volk so tickt, wie es tickt und dabei die Unterschiede zu ihrer eigenen Historie erkennen.

Dabei wird kaum etwas ausgespart: die Hanse und die Reformation, das Heilige Römische Reich, die Romantik, das Kaiserreich, Weimar und die Nazis, die Teilung und der 9. November 1989, mit dem die Ausstellung entgegen der sonstigen Chrolonlogie beginnt.

Natürlich fehlen auch Stereotypen und sogar manche Klischees nicht: deutsche Tüftler etwa, dargestellt am ersten Patent-Motorwagen von Carl Benz aus dem Jahr 1885. Deutsche Gemütlichkeit, wofür auch Bierkrüge stehen. Wie insgesamt Humpen, Vasen oder Kelche eine wichtige Rolle spielen. Deutsche Malerei von Abrecht Dürer bis Gerhard Richter. Überhaupt die Kunst, bei der natürlich auch Goethe auftaucht. Dessen Ausspruch: "Deutschland? Aber wo liegt es? Ich weiß das Land nicht zu finden", markiert eine Art weiteren Subtext und weißt gleichzeitig auf eine Erkenntnis hin, die die Schau ihrem zunächst britischen Publikum vermitteln sollte. Anders als die Insel sei Deutschland erst spät ein Nationalstaat geworden und bis heute förderal statt zentral geprägt. Das habe über Jahrhunderte für einen kulturellen Reichtum gesorgt. Schon deshalb, weil jedes Fürstentum damit eine Art Visitenkarte habe abgeben wollen. So sei die lange Weltgeltung, etwa in der Musik, der Philosophie, auch der Wissenschaft zu erklären.

Wie schmal der Grat zwischen geistiger Höhe und der Agrund niedrigster Instinkte und einzigartiger Verbrechen ist, wird am Beispiel Weimar veranschaulicht. Der Stadt der Klassiker, des Bauhaus, aber auch von Buchenwald.

Der Nazizeit hätten sich die Deutschen konsequenter gestellt als andere Länder ihrer Vergangenheit, suggerriert die Ausstellung. Und seit der Wiedervereinigung sei ein neues Land entstanden, das sich seither zu einem wichtigen Mitspieler im Weltgeschehen entwickelt habe. Deshalb auch der Einstieg im November 1989.

Das alles immer aus der Sicht der Briten rezipiert, denen diese Erfolgsgeschichte wenn nicht als Vorbild, so doch als Erkenntnisschatz geliefert werden sollte. Dieser auswärtige Blickwinkel ist aber auch für ein deutsches Publikum nicht uninteressant. Schon weil manche Erklärungen und Rückschlüsse nicht unbedingt zum Allgemeingut gehören.

Geöffnet ist täglich außer dienstags von 10 bis 19 Uhr. Der Eintritt kostet elf, ermäßigt acht Euro. Er ist für Kinder und Jugendlich bis 16 Jahren frei. tf
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