"Weh dem, der keine Heimat hat!" (Teil 2)

Berlin. Gleich zwei Leser-Beiträge hat Manfred Jahn zum Aufruf der Redaktion "Meine Heimat" eingereicht. Hiermit folgt der zweite Teil vom 71-jährigen Berliner.

Durch Schreiben wird das Gedankengut einfach erweitert. So erging es mir, als ich meine erste Geschichte zum Thema „Meine Heimat“ für die Berliner Woche aufsetzte.

Dass Ostberlin meine Heimat darstellt, ist unbestritten, dass aber ganz Berlin Anspruch auf meinen Heimatbegriff hat, kam mir vor allem durch das Recherchieren in der Vergangenheit. Heimat hat vor allem seine Berechtigung in der Vergangenheit. Ich kam darauf, dass die beiden Westberliner Willy Brand und Egon Bahr einen entscheidenden Beitrag zur Annäherung unserer beiden deutschen Staaten leisteten und somit ihren Anteil an der politischen Wende der DDR hatten und damit zugleich die Einheit Berlins mit beeinflussten. Chapeau!

Meine persönliche Entwicklung hat in der Kindheit und Jugendzeit bis zum 17. Lebensjahr, genau genommen bis zum 13. August 1981, in entscheidendem Maße im damaligen West-Berlin bei meinen Großeltern stattgefunden. Ich hatte sehr gute Freunde auf dem Sparrplatz im Wedding. Der Kontakt mit ihnen ist leider verloren gegangen. Kiele hat sich wohl in Schweden niedergelassen und Arnold Kuchenbecker ist als Kirchenmaler durch die Welt gereist.

Meiner Lieblingsbeschäftigung, dem Fußballspiel bin ich auf dem holprigen Platz, nähe der Firma „Ashelm“ gerecht geworden und habe manchen Trick dort gelernt. Ich machte auf diesem „Acker“ die Bekanntschaft mit dem späteren Nationalspieler „Wanze“ Groß (später Hertha BSC), dessen großes Talent da schon durchschimmerte.

Ansonsten habe ich im Wedding alle Filmtheater inspiziert. An manchen Tagen habe ich sage und schreibe 3 Filme konsumiert. Ich erinnere mich, dass mir verschiedene Filme viel Lebenshilfe gegeben haben, wenngleich es für 25 Pfennige im Kino „Polo“, nahe der Grenze Chausseestrasse, auch Schrottfilme gab, die aber mit Cowboys und Indianer für viel Power und Stimmung im Kino sorgten.

Dass ich mit meinem Großvater mein Lieblingsziel, den Funkturm an den Messehallen, immer wieder ansteuerte, um Berlin aus luftiger Höhe zu genießen, fällt mir wieder ein. Die Menschenschlangen waren manchmal so groß, was mich nicht beeindruckte aber eben meine Großeltern, die mich dann mit Stangeneis, Coca Cola oder sonstigen Leckereien befriedigen wollten.

Einen Fakt möchte ich nicht vergessen, dessen Ursprung im ungeteilten Berlin der Jahre 1943/44 lag. Meine Großmutter erzählte mir damals von ihrer Schwester Ida Jauch, die in der Kleingartenanlage in Lichtenberg den jüdischen Entertainer Hans Rosenthal vor den Nazis versteckte. Dass eine Zeitung vor geraumer Zeit Angehörige der Ida Jauch im Auftrag der Gedenkstätte Yad Vashem suchte, ließ mich hellhörig werden. Ende Oktober wird meine Großtante Ida Jauch postum geehrt, was auch mich mit Stolz erfüllt. Dies dürfte wohl der letzte Anstoß für mich sein, mein Heimatgefühl auf die gesamte Stadt auszudehnen. Ja, Berlin ist meine Heimat. Manfred Jahn

Den ersten Teil von Manfred Jahn und weitere Beiträge von anderen Lesern und Reportern zur Aktion "Meine Heimat" lesen Sie hier.
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