Abschiebestopp für Afghanistan – Berlin bleibt solidarisch!

Brandenburger Tor - Berlin als Symbol der Freiheit: Abschiebestopp für Afghanistan. Jetzt! Foto: Anne Schäfer-Junker
 
59.326 Menschen .... Foto am Brandenburger Tor: Anne Schäfer-Junker
Berlin: Platz des 18. März |

13.2.2017 | Meine Wortmeldung aus Französisch Buchholz: Am Samstag, 11.2.2017 forderten bundesweit mehrere Aktionsbündnisse mit tausenden Demonstranten: Keine Abschiebungen gut integrierter Menschen in ihre unsicheren Heimatländer! Keine Abschiebungen nach Afghanistan. Refugees welcome!

In Berlin hatten vor allem der Flüchtlingsrat Berlin und die Internationale Ärzte-Organisation IPPNW zur Kundgebung vor dem Brandenburger Tor und einer Demonstration zum Alexanderplatz aufgerufen.

Noch vor einem Jahr war die Zivilgesellschaft in Deutschland spontan großartig aktiv, um in der „Flüchtlingskrise“ den zu uns gelangten Menschen eine Willkommenskultur zu bieten. Eine gewaltige Bewegung der Hilfe und bürgerschaftlichen Aufnahme entstand in den kirchlichen Gemeinden und in zahlreichen Bürgervereinigungen. Bis hin zu kommunalpolitischen Verantwortlichen kam die Aufforderung zu Mitmenschlichkeit an. Ein Lebensgefühl für menschliche Werte in Deutschland fand unzählige freiwillige UnterstützerInnen, aber auch zunehmend Kritik und Ablehnung. Der Berliner Senat verabschiedete einen Masterplan Integration und Sicherheit(!). Willkommensklassen an vielen Schulen und Oberstufenzentren entstanden.

Die Bewältigungsüberlegungen zur Flüchtlingskrise sorgten für einen Ausbau der Jobs und die Unternehmen organisierten mit der IHK und anderen Projekten Bildung und Ausbildung. Bereits im November 2016 gab es 12.545 SchülerInnen in Willkommensklassen (alle Schularten). Was für ein gewaltiger Kraftakt der Verantwortlichen in den Schulen und in der Zivilgesellschaft insgesamt.

Über viele Monate, aus dem Stand im Herbst 2015, gab es spontane Hilfe. Viele Flüchtlinge wurden begleitet und in Familien eingeladen. In Französisch Buchholz und in Niederschönhausen bildeten sich Unterstützerkreise und viele einzelne Freiwillige halfen. Die Unterstützerkreise in den Turnhallen engagierten sich mit Deutsch-Kursen, medizinischer Hilfe, rechtlicher und familiärer Unterstützung und unzähligen Hilfen bei Behördengängen.

Die im Herbst 2016 als bevorstehend gemeldete Eröffnung der „Tempohome“ genannten Unterkunft auf der Elisabeth-Aue in Blankenfelde, mit der Infrastruktur von Französisch Buchholz, stand bevor. Das Bündnis Französisch Buchholz entstand und sorgte für öffentliche Kommunikation, traf sich und tauschte sich aus, führte Freiwilligen-Deutschkurse ein und half bei der Integration in verschiedensten Vereinen und Sportgruppen.

Heute (13.2.2017) titelt eine große deutsche Tageszeitung: „Beschlüsse zu Abschiebung vielfach begrüßt“. Was ist passiert?

Seit geraumer Zeit dreht sich der Wind in eine populistische Richtung. Dabei geht es um die neuesten Vorstellungen des Bundesinnenministeriums und einiger Länder für „gesetzliche Regelungen zur Abschiebung abgelehnter Asylbewerber“ – so der Sprachgebrauch. Hintergrund ist der Deal mit der Türkei und der 15-Milliarden-Euro-Deal der EU mit dem afghanischen Präsidenten: „Rücknahme“ vieler vor Krieg und lebensbedrohlichen Kämpfen geflüchteter Menschen. Doch: Afghanistan ist nicht sicher!

Diese Gesellschaft ist belastbar, auch durch ihre Kritikfähigkeit, das hat sich gezeigt. Die vielfältig eingegangenen Patenschaften für viele Flüchtlinge und besonders große und kleine Flüchtlingsfamilien sind von hoher, auch ethischer Bedeutung. Besonders afghanische Flüchtlinge gelangen jetzt durch die Milliarden-Summen der EU an die afghanische Regierung in eine Art "Menschenhandelsfalle“.

Eine kontinuierliche Politik des "Wir schaffen das" sieht anders aus. Die Bundes-Regierung sollte schnellstens ihre Möglichkeiten überdenken, wie sie die in hohem Maße investierten Mittel und die von der Zivilgesellschaft geleistete freiwillige Hilfe und Solidarität nicht noch tiefer in Abrede stellt. Es gibt kein sicheres Afghanistan, ebenso wie der Krieg in Syrien auf absehbare Zeit nicht beendet werden wird.

Deutschland muss weiter solidarisch sein und nicht seine Fehler vertiefen – ein Bleiberecht für alle bereits gut integrierten Menschen muss dringend erwogen werden und Berlin mit R2G sollte an der Ablehnung des Abschiebestopps festhalten. Das wäre das richtige Signal im nun bereits hereinbrechenden Wahlkampf für ein „helles Deutschland“ (Gauck) – und es wäre aktuell die richtige Schlussfolgerung aus der deutschen Geschichte – Deportationen und Abschiebungen nicht zu forcieren, geschweige denn als staatliches Handeln „hoffähig“ zu machen! Abschiebestopp für Afghanistan! Jetzt!

Anne Schäfer-Junker (info@hugenottenplatz-berlin.de)
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