Eine Entscheidung lässt auf sich warten

Am Roten Rathaus sind die U-Bahn-Arbeiten im vollen Gange. (Foto: Schilp)

Mitte. Die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam, aber der SPD-Mann Stefan Draeger will nicht länger warten. Schon Anfang 2012 hat seine Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung den Antrag gestellt, den neuen Bahnhof der U 5 "Rotes Rathaus" und nicht "Berliner Rathaus" zu nennen. Passiert ist bisher nichts.

Die Bezirksverordneten aus Mitte stimmten damals für den Vorschlag. Das Anliegen wurde an die BVG und die Senatsverwaltung für Verkehr weitergeleitet. "Die teilte mit, dass sich die ,Arbeitsgruppe Bahnhofsnamen‘ mit der Sache zu gegebener Zeit befassen werde - was immer das heißt", sagt Draeger. Zwar solle der Bahnhof erst 2019 ans Netz gehen, aber die BVG benötige lange Vorlaufzeiten bei der Neu- oder Umbenennung einer Haltestelle. "Ich halte die Zeit nun für gegeben, langsam müsste mal was passieren", drängt Draeger.

Das sieht auch Hans-Karl Krüger vom Verein "Forum Stadtbild Berlin" so. "Jeder in Berlin kennt das Rote Rathaus und jeder Reiseführer nennt es ausdrücklich so und zwar wegen der verwendeten roten Ziegel - ein Name, der alle Zeiten seit 1869 überdauert hat", sagt er. Es werde höchste Zeit, dass die Verkehrsbetriebe reagierten.

"An uns liegt’s nicht", erwidert BVG-Sprecherin Petra Reetz. Es sei der Berliner Senat gewesen, der seinerzeit für den Namen "Berliner Rathaus" gestimmt habe. Die Vermutung, dass der damalige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) aus politischen Gründen "Rotes Rathaus" abgelehnt hat, möchte sie nicht kommentieren. Jedenfalls bedürfe es jetzt erneut einer Senatsentscheidung, um den vorgesehenen Namen zu ändern. "Wir bei der BVG könnten sehr gut damit leben", so Reetz.

Sie bestätigt, dass die Verkehrsbetriebe einen beträchtlichen Vorlauf brauchen. Es sei ja nicht damit getan, U-Bahn-Schilder aufzuhängen. "Überall hat ein Bahnhof seinen Namen: an allen Leit- und Weichenstellen, auf internen Dienstplänen, auf Karten und Stadtplänen", erklärt sie. Doch während sich die Tunnelvortriebsmaschine Bärlinde mit einer Höchstgeschwindigkeit von acht Metern am Tag unerschütterlich durch den Berliner Untergrund fräst, haben die Behörden offensichtlich keine Eile. Petra Rohland, Sprecherin beim Verkehrssenator, teilt auf Anfrage mit: "Für die Planungs- und Bauphase besteht keine Notwendigkeit für eine Änderung des Arbeitstitels. Über den tatsächlichen Namen wird rechtzeitig zur Fertigstellung entschieden."


Susanne Schilp / susch
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