Knöllchen auf Rädern: Das Ordnungsamt hat jetzt auch eine Fahrradstreife

Bürgermeister Stephan von Dassel hat die Fahrradstaffel jetzt offiziell in Dienst gestellt. Janine S. und Enrico L. sind gern mit den Einsatzrädern unterwegs. (Foto: Dirk Jericho)

Mitte. Seit drei Jahren sorgen Polizisten auf Drahteseln zwischen Alexanderplatz und Regierungsviertel für Ordnung. Jetzt radeln auch die Kiezstreifen vom Ordnungsamt.

Die Tasche auf dem Gepäckträger mit den Schreibutensilien und dem mobilen Datenerfassungsgerät (MDE), wie der Knöllchendrucker offiziell heißt, ist genau das gleiche Modell, wie es die 20 Beamten der Polizei-Fahrradstaffel nutzen. Nur die rund 1000 Euro teuren Cube Marken-Bikes sind besser als die der Kollegen, die auch eine Dienstwaffe am Gürtel tragen.

„Die sind immer neidisch, wenn sie uns sehen“, sagt Janine S. und rollt ihr Trekkingrad vors Rathaus Mitte zum Fototermin. Sie gehört zum freiwilligen Team von sechs Außendienstlern, die seit August im Ordnungsamt Mitte zwei Prototypen testen. Wie ihr Kollege Enrico L. möchte sie nicht mit vollem Namen in der Zeitung stehen.

Ordnungsamts-Mitarbeiter haben einen harten Job; Beleidigungen sind an der Tagesordnung. Erst vor kurzem wurde ein Außendienstler von einem Obdachlosen mit einem Becher Urin übergossen, wie Ronald Mikkeleitis, Leiter des Ordnungsamt-Außendienstes, sagt.

Der für das Ordnungsgamt zuständige Bürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) möchte schon seit zehn Jahren Fahrräder für die Kiezstreifen, wie er sagte. Die Fahrradstreifen seien umweltfreundlich und in der stark verkehrsbelasteten Innenstadt besonders effektiv. Von Dassel will demnächst weitere acht Räder anschaffen. Das Geld dafür sei im Haushalt eingeplant. Fünf Zweier-Teams sollen zukünftig durch den Bezirk radeln, um Ordnungswidrigkeiten zu ahnden. Der Einsatz bei der neuen Fahrradstaffel ist freiwillig.

Janine S. machen die Schichten auf dem Drahtesel Spaß. Die bis zu 40 Kilometer, die sie an einem Arbeitstag in Mitte, Wedding und Tiergarten zurücklegt, „sind mein Fitnessprogramm“, sagt die 28-Jährige.

Die Leute reagieren entspannter auf die radelnden Ordnungshüter, haben sie und auch ihr Kollege Enrico L. festgestellt. Wenn die Fahrradstreifen zum Beispiel Gehwegradler oder Hundebesitzer, die ihre Vierbeiner leinenlos rumrennen lassen, anhalten, sind die Reaktionen weniger aggressiv, als wenn das Ordnungsamt mit dem Auto vorfährt.

Stephan von Dassel freut sich über die Fahrradstaffel. Um die Einsätze für die Kiezstreifen sicherer zu machen, ist der Bürgermeister auch beim Thema Bodycams „offen“, wie er sagt. Die AfD-Fraktion hat gerade in einem BVV-Antrag Körperkameras als Selbstschutz für die Außendienstler vom Ordnungsamt auf dem Alexanderplatz gefordert. In Berlin testet die Bundespolizei seit vergangenem Jahr solche Körperkameras, die sichtbar an der Kleidung getragen werden und in kritischen Situationen aufzeichnen. Der Effekt der Kameras ist positiv, sie schreckt offenbar Pöbler und Gewalttäter ab. DJ
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