Standesbeamte auf Bestellung

Berlin: Standesamt Mitte |

Mitte. Um das Chaos in den Standesämtern abzumildern, hat die für Bürgerdienste verantwortliche Staatssekretärin Sabine Smentek (SPD) die Bezirke mit Personalnot aufgefordert, Anträge auf „Notfallbestellung von Personal“ zu stellen.

Bezirke, die bei der Senats-innenverwaltung eine sogenannte Notfallbestellung beantragen, sollen innerhalb von 48 Stunden Standesbeamte von anderen Bezirken bekommen. Wie berichtet, ist es für die Bürger extrem schwierig, im Standesamt Mitte eine Eheschließung zu beantragen oder notwendige Unterlagen wie Geburtsurkunden zu bekommen. Wegen des Wartechaos‘ in der Parochialstraße 3 sind Anmeldungen zur Eheschließung nur noch mit Terminbuchung möglich.

Im Standesamt fehlen ausgebildete Standesbeamte. Fünf von 15 Stellen sind noch nicht besetzt, weil die Mitarbeiter noch weitergebildet werden müssen, so die zuständige Stadträtin Sandra Obermeyer (für Die Linke). Sie hat beim Senat dennoch keine Notfallbestellungen beantragt, weil diese voraussetze, „dass es überhaupt Standesbeamte gibt, die notfalls bestellt werden können. Das ist gerade nicht der Fall. Kein Bezirk hat Standesbeamte übrig“, sagt Obermeyer.

Sie will jetzt „pensionierte Standesbeamte für diesen Notfalleinsatz gewinnen“. Die Stadträtin hat bereits Pensionäre angeschrieben und gebeten, an ihren ehemaligen Arbeitsplatz zurückzukehren. „Wenn es diese Möglichkeit gibt, dann bräuchte ich drei Standesbeamte, um in vertretbarer Zeit die Rückstände bei den Geburtenbeurkundungen abzuarbeiten“, sagt Sanda Obermeyer.

Zusätzliche Ausbildung

Für den Job im Standesamt können nicht einfach Mitarbeiter aus anderen Rathausabteilungen abkommandiert und vor die Aktenberge gesetzt werden. Verwaltungsmitarbeiter brauchen eine halbjährige Zusatzausbildung zum Standesbeamten. Wie Sabine Smentek – bis zur Kommunalwahl im vergangenen September Jugend- und Schulstadträtin in Mitte – sagte, könnten die Bezirke die sechsmonatige praktische Ausbildung von Standesbeamte unter bestimmten Bedingungen verkürzen. Dies habe die Staatssekretärin laut Innenbehörde den Bezirksämtern im Mai mitgeteilt. DJ
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