Streit um Flüchtlingsunterkunft: Baustadtrat Carsten Spallek bemängelt Brandschutz / Senat dementiert

In dem Hotel sind derzeit knapp 700 Flüchtlinge untergebracht. (Foto: Dirk Jericho)
Berlin: City 54 Hotel |

Mitte. Um das Hotel City 54 in der Chausseestraße 54 gibt es erneut Diskussionen. In dem Haus hat das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) derzeit 665 Flüchtlinge einquartiert. Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) spricht von „erheblichen brandschutztechnischen Bedenken“.

Die BILD-Zeitung hat ein Foto veröffentlicht, auf dem ein Doppelstockbett wenige Zentimeter neben dem Herd steht. „Flüchtlinge müssen in der Küche schlafen“, steht über dem Artikel. Unter dem Bild steht „Foto: privat“. Hotelchefin J. Degirmenci beteuert, dass die Aufnahme gestellt ist. „Die Journalisten haben einigen Flüchtlingen Geld gegeben, damit sie das Bett in die Küche schieben und fotografieren“, ärgert sich die Betreiberin der momentanen Flüchtlingsunterkunft.

Die 665 Flüchtlinge seien alle vernünftig untergebracht und würden von Sozialarbeitern betreut. Baustadtrat Carsten Spallek sagt, dass in dem Hotel ein zweiter Rettungsweg fehlt. Der betreffe nur zwei Apartments, und die seien nicht belegt, behauptet Degirmenci. Insgesamt gibt es in dem Hostel 170 Zimmer und 4300 Quadratmeter Wohnfläche, so die Betreiberin. Brandschutztechnisch sei alles genehmigt und auf hohem Niveau. „Es gibt kein Problem“, so Degirmenci.

Spallek ist seit Jahren gegen die Nutzung des Hostels als Flüchtlingsheim; das Haus wurde bereits vor 2008 als Flüchtlingsunterkunft genutzt. 2008 wurde der Komplex, der sich über drei Hinterhöfe weit nach hinten zieht, dann als Hotel eröffnet. Das Bauamt hatte damals 208 Plätze genehmigt. Die Betreiberin hatte das Haus dem Lageso als Flüchtlingsunterkunft angeboten, vom Bezirk aber keine Genehmigung für die 450 Plätze bekommen. Seitdem laufen juristische Auseinandersetzungen zwischen der bezirklichen Bau- und Wohnungsaufsicht und der Betreiberin.

Um das Hostel trotz fehlender Genehmigung durch den Bezirk als Flüchtlingsunterkunft dennoch nutzen zu können, hatte das Lageso 2013 das Hotel beschlagnahmt, wie Monika Hebbinghaus bestätigt. Die Sprecherin von Sozialsenator Mario Czaja (CDU) hat nur lobende Worte für das Haus und die Betreiberin. Sie versteht Spalleks erneute Initiative nicht, zumal Sozialstadtrat Stephan von Dassel (Grüne) und Bürgermeister Christian Hanke (SPD) das Hostel für gut geeignet halten. „Aktuelle Brandschutzgutachten bestätigen, dass man hier 700 Menschen unterbringen kann“, so Hebbinghaus. Die Betreiberin kümmere sich zudem um die Bewohner und beschäftige 14 Mitarbeiter in Vollzeit für soziale Betreuung und Wachschutz. „Das Hostel hat als einzige Flüchtlingsunterkunft bei der letzten Begehung durch Lageso-Mitarbeiter keinerlei Mängel gehabt“, sagt Hebbinghaus.

Sie weiß, dass es viele Anbieter gibt, die mit dem Flüchtlingsdrama nur ein großes Geschäft machen wollen. „In diesem Fall scheint das aber nicht so zu sein“, so Czajas Sprecherin. Wie sie bestätigt, zahle das Lageso 20 Euro pro Tag und Person für die Übernachtung; Verpflegung nicht inbegriffen. Macht bei 700 Bewohnern 14 000 Euro am Tag. Da sind 420 000 Euro im Monat. DJ
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