Streit um Gorki-Tickettonne: Infobox auf dem Gehweg ist laut Baustadtrat Schwarzbau

Die Ticket- und Banktonnen wurden ohne Genehmigung in der Grünanlage zwischen Humboldt-Uni und Neuer Wache Unter den Linden vom Gorki-Theater aufgestellt. (Foto: Dirk Jericho)
Berlin: Maxim-Gorki-Theater | 

Mitte. Seit ein paar Wochen stehen zwei tonnenförmige Pavillons zwischen Humboldt-Universität und Neuer Wache Unter den Linden. Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) will die „Schwarzbauten“ weghaben.

"Desintegriert Euch!" lautet der Titel des dritten Berliner Herbstsalons des Maxim Gorki Theaters vom 11. bis 26. November. Mehr als 100 Künstler wollen sich dabei im Gorki-Theater, im Kronprinzenpalais, im Palais am Festungsgraben und am Brandenburger Tor „kritisch mit Konstruktionen von Identität und Einheit auseinandersetzen“, wie es heißt.

Nicht integriert in das Berliner Genehmigungssystem sind auch die beiden Tonnen, in denen das Gorki-Theater Tickets verkauft. Daneben können Besucher am Geldautomaten gleich auftanken. Der Bankterminal bringt dem Gorki-Theater Einnahmen.

Für jede Bude braucht man Genehmigungen; das ist besonders in der historischen Mitte schwierig. Der Grünen-Bezirksverordnete Frank Bertermann vermutete deshalb einen „Schwarzbau“, als er das Kassenhäuschen und den Geldautomaten beim Spaziergang entdeckte. In den Bauantrags- und Baugenehmigungslisten konnte der Vorsitzende des Bauausschusses der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) auch nichts finden, weshalb er das Bezirksamt um Aufklärung bat.

Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) sagte der Berliner Woche, dass es sich bei den Gorki-Tonnen um „Schwarzbauten“ handelt. Er habe deshalb „einen deutlichen Brief an die Leitung der Senatskulturverwaltung geschickt“.

Die Tonnen standen bisher auf dem Bebelplatz vor der Staatsoper-Baustelle. Weil die mit Ende der Sanierung dort nicht mehr als Infopunkt benötigt werden, hat das Gorki-Theater sie übernommen. „Wir brauchen dringend Präsenz, weil wir wegen der Baustellen der Humboldt-Uni kaum zu sehen sind“, sagt Gorki-Sprecherin Xenia Sircar. Das Theater hinter dem Palais am Festungsgraben sei kaum zu sehen und verschwinde hinter drei Baustellenbereichen, so Sircar. Bis Ende 2018 sollen deshalb Ticket- und Geldautomatentonne auf dem Gehweg Unter den Linden stehenbleiben und für Kundschaft sorgen.

Die Sprecherin bestätigt, dass es vom Bezirk kein Okay für die Pavillons gibt. „Das Genehmigungsverfahren beim Straßen- und Grünflächenamt ist noch nicht abgeschlossen“, sagt Xenia Sircar. Sie gehe davon aus, dass die Genehmigung im November kommt.

Nach Informationen der Berliner Woche ist das aber falsch. Denn die bezirkliche Denkmalschutzbehörde und das Straßen- und Grünflächenamt (SGA) haben bereits am 5. Oktober per Einschreiben an das Gorki-Theater abgelehnt. Aus denkmalrechtlichen Gründen dürfen die Tonnen dort nicht stehen. Sie stehen zudem in der öffentlichen Grünanlage, ein weiteres K.O.-Kriterium.

„Weg mit den Theater-Schwarzbauten“, fordert Frank Bertermann. Den Gorki-Leuten scheint das egal zu sein. Bei der Kunstaktion „Flüchtlinge fressen“ im Juni 2016 vor dem Gorki-Theater, bei der sich Flüchtlinge vor Publikum von Tigern fressen lassen wollten, wurden die bezirklichen Genehmigungsbehörden auch ausgetrickst.

Die für das Straßen- und Grünflächenamt zuständige Stadträtin Sabine Weißler (Grüne), die auch das bezirkliche Kulturressort leitet, wollte sich nicht weiter zu den illegal aufgestellten Tonnen äußern. Auf Anfrage ließ sie über die Pressestelle schriftlich ausrichten, dass „für das Maxim Gorki Theater die Senatsverwaltung für Kultur und Europa zuständig ist“. Mit der sei der Bezirk im Gespräch, „um eine sinnvolle und rechtlich einwandfreie Lösung zu finden“. DJ
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