Tür an Tür mit Kim: Nordkorea vermietet illegal Botschaftsgebäude an Hostelbetreiber

Berlin: City Hostel Berlin |

Mitte. Die Bundesregierung will das City Hostel Berlin an der Glinkastraße schließen. Der einstige Büroblock gehört zu Nordkoreas Botschaft. Diktator Kim Jong Un verschafft sich mit solchen Geschäften Devisen für sein Atomprogramm.

Seit 13 Jahren übernachten Partytouristen und Schulklassen in dem Plattenbau an der Glinkastraße. Die Nacht ist mit Preisen ab 17 Euro billig, alle Hotspots liegen um die Ecke. Dass sie mit ihrem Besuch in der Billigherberge auch die Raketentests des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Un mitfinanzieren, wussten sicher die wenigsten. Direkt neben dem Hostel flattert die nordkoreanische Flagge. Im Schaukasten am Botschaftszaun hängen Fotos von Kim Jong Un und seinem Vater.

Das Hostel-Gebäude gehört zum Komplex, den die DDR in den 1970er-Jahren für das befreundete Nordkorea als Botschaft gebaut hat. Hundert Diplomaten haben hier mal gearbeitet. Nach der Wende wurden etliche Mitarbeiter abgezogen. Seit 2004 hat Nordkorea das Bürogebäude deshalb an den Betreiber des City-Hostels verpachtet, für angeblich 38 000 Euro pro Monat. Mit solchen Geschäften verschafft sich Pjöngjang überall auf der Welt Devisen.

Nach Recherchen des Verbundes von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR werden Diplomaten auch zu anderen krummen Geschäften gezwungen, damit in Kim Jong Uns Reich Devisen für sein Atomprogramm und für Luxusgeschenke für treue Untertanen fließen, wie Gabor Halasz vom NDR-Rechercheteam im rbb sagte. Um die Finanzquellen Nordkoreas für sein Atomwaffenprogramm auszutrocknen, hat der UN-Sicherheitsrat im November 2016 solche Vermietungsgeschäfte in seinen Mitgliedstaaten untersagt. Die Regierungen sollen Nordkorea verbieten, Botschaftsimmobilien für „andere Zwecke als diplomatische oder konsularische Tätigkeiten zu nutzen“, heißt es in der Resolution.

Die Bundesregierung hat jetzt den Hostelbetreiber aufgefordert, den Vertrag zu beenden, anderenfalls drohen Bußgelder. Das Einschreiten der Regierung hat auch so lange gedauert, weil erst extra für die Berliner Nordkorea-Causa die Außenwirtschaftsverordnung geändert werden musste. Dadurch kann sich der Pächter nicht mehr darauf berufen, dass er einen gültigen Vertrag hat, den er vor der UN-Resolution abgeschlossen hat. DJ
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