Niemand ist dem hilflos ausgeliefert

Eine Runde kniffeln tut gut: Wer sich im Alter regelmäßig verabredet, fühlt sich nicht so schnell einsam. (Foto: Mascha Brichta)

Einsamkeit hat viele Gesichter. Manche Menschen sitzen alleine in ihrer Wohnung, ihnen fehlt jemand zum Reden. Andere leben mit einem Partner zusammen, haben Freunde und Kinder, fühlen sich aber trotzdem einsam.

Alter allein ist kein Risikofaktor, auch wenn viele Menschen Angst davor haben, später einmal einsam zu sein. Hoffnungslos ausgeliefert muss man sich diesem Zustand aber nicht fühlen."Einsame Menschen gibt es in jedem Alter", sagt Mechthild Niemann-Mirmehdi, die am Gerontopsychiatrischen Zentrum der Charité im St. Hedwig-Krankenhaus in Berlin arbeitet. "Oft ist es nicht das Alter, das zu Einsamkeit führt, sondern die Biografie", ergänzt Prof. François Höpflinger, Soziologe an der Universität Zürich.

Aber auch Menschen, die nur für den Job leben, riskieren, als Rentner einsam zu werden. "Berufliche Kontakte verwischen schnell", sagt Prof. Höpflinger. Hinzu kommt, dass Umbrüche im Leben zu Gefühlen von Einsamkeit führen können. Es ist ein Irrglaube, dass nur alleinstehende Menschen einsam sind. "Man kann unter vielen Menschen einsam sein, wenn man sich nicht zugehörig fühlt", erklärt Caroline Bohn, die ihre Doktorarbeit über Einsamkeit geschrieben hat und in Bochum ein Coaching-Institut betreibt.

Zwar ist nur eine Minderheit älterer Menschen einsam. Und ihr Anteil hat sich in den vergangenen 30 Jahren verringert, sagt Prof. Höpflinger. Doch Ältere sind häufiger mit Situationen konfrontiert, die zu Einsamkeitsgefühlen führen können. An erster Stelle steht der Verlust von nahestehenden Personen. Außerdem nehmen im Alter Erkrankungen zu. Krankheiten - ob seelisch oder körperlich - können zu Einsamkeit führen. "Die Menschen ziehen sich häufiger zurück", sagt Prof. Höpflinger. Manche haben nicht mehr die Kraft, sich um Freundschaften zu kümmern.

Gefühle von Einsamkeit lassen sich nicht verhindern, denn sie können jeden treffen. Es gibt aber Möglichkeiten, das Risiko zu verringern. "Pflegen Sie Kontakte", rät Prof. Höpflinger. "Warten Sie nicht darauf, dass sich Ihre Kinder melden, sondern rufen Sie selbst an." Als Rentner sei es wichtig, aktiv zu bleiben und unter Menschen zu kommen. Wer nicht viel reden möchte, fühlt sich möglicherweise bei einer Schachgruppe wohl. Wer regelmäßige Treffen scheut, in einer Wandergruppe, die ab und zu Ausflüge unternimmt.


dpa-Magazin / mag
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