Abraum der U5-Röhre wird über die Spree weggefahren

BVG-Projektleiter Jörg Seegers im Bauhafen: Von hier bringen Lastenschiffe den Abraum aus den U-Bahn-Röhren aus der Stadt. (Foto: Dirk Jericho)

Mitte. In der vergangenen Woche hat die BVG an der Rathausbrücke den neuen Bauhafen eröffnet.

Dieser Hafen hat keine Kneipe, nur einen kleinen Unterstand mit Bänken mit Tischen, den sich die Bauarbeiter für ihre Pausen gebaut haben. Wenn ab Juni kommenden Jahres das Tunnelmonster vom Marx-Engels-Forum Fahrt aufnimmt, wühlt es bis 2015 mindestens 250 000 Tonnen Sand, Schlamm und Steine aus dem Untergrund. Derzeit wird an der Ecke Rathausstraße Spandauer Straße der 20 Meter tiefe Startschacht gebaut. In dem Loch wird ab April der 70 Meter lange Riesenbohrer zusammengesetzt. Die Monstermaschine frisst sich unterirdisch im sogenannten Schildvortriebsverfahren vom Marx-Engels-Forum unter der Spree hindurch bis zum Brandenburger Tor und verlegt die Tunnelröhren für die U5-Verlängerung. Der Abraum wird in einem Rohrsystem aus der Tunnelröhre gepumpt, in feste und flüssige Bestandteile getrennt und über Förderbänder direkt auf Schiffe verladen.

Die BVG hat dafür am Spreeufer extra für über eine Million Euro einen Hafen für Lastkähne gebaut, die den Schutt aus der 2,2 Kilometer langen U-Bahnröhre auf dem Wasserweg aus der Stadt bringen. Drei Schuten, wie die Lastenschiffe heißen, sollen zu Spitzenzeiten täglich anlegen, sagt Projektleiter Jörg Seegers. Das erspart den bauverkehrsgeplagten Berlinern zirka 9000 LKW-Fahrten. Der Buddeldreck wird nach Deetz im Kreis Potsdam-Mittelmark gebracht. 70 Prozent des Aushubs werden für den Straßenbau wiederverwendet. Der Rest landet auf der Deponie.

"Wir haben die einzige Baustelle mit einem eigenen Hafen", sagt BVG-Sprecher Klaus Wazlak. Zudem lebe mit dem Schiffsverkehr eine alte Tradition wieder auf, "nach der Berlin ja vom Kahn aus gebaut wurde." Damit während der Bauzeit die Touristendampfer weiter zwischen Liebknecht- und Rathausbrücke entlang tuckern können, musste die BVG neun Meter vom Ufer für das 80 Meter lange Hafenbecken weggraben. Ursprünglich war nur ein einfacher Anleger geplant. Doch die Behörden hatten den Parallelbetrieb von Ausflugs- und Lastenschiffen ohne Hafenbecken nicht genehmigt, weil es im Notfall auf der Spree zu eng geworden wäre. Jetzt kann die Stern- und Kreisschifffahrt ihre Anlegestelle direkt neben den Schuten weiterhin anlaufen.

Der U5-Lückenschluss soll 2019 fertig sein. Dann kommt man vom Osten umsteigefrei ins Regierungsviertel und zum Hauptbahnhof. Das Teilstück zwischen Brandenburger Tor und Hauptbahnhof wurde bereits 2009 als U55 eröffnet. Auf der Strecke werden die Bahnhöfe Unter den Linden (Ecke Friedrichstraße), Museumsinsel und Berliner Rathaus gebaut. Die 433 Millionen Euro teure U-Bahn-Verbindung sollte ursprünglich 2017 in Betrieb gehen. Doch archäologische Funde am Roten Rathaus hatten das gesamte Projekt verzögert.

Alle Infos und detaillierte Baupläne zur U5-Verlängerng unter www.BVG.de/U5neu.

Dirk Jericho / DJ
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