Alte Bahntrasse soll Grünverbindung werden

Eva Epple von den "Berlin Flaneuren", Solarexperte Christian Diebold und Antje Henning vom Netzwerk "Grünzüge für Berlin" (von links). (Foto: Dirk Jericho)

Mitte. Das Bürgernetzwerk "Grünzüge für Berlin" will auf den stillgelegten Bahngleisen auf der Liesenbrücke eine Grünverbindung direkt vom Park am Nordbahnhof zum Volkspark Humboldthain schaffen.

Die vor 120 Jahren gebauten Liesenbrücken über dem Kreisverkehr an der Gartenstraße, Liesenstraße und Scheringstraße sind ein Meisterwerk wilhelminischer Ingenieurskunst. Züge rattern seit über 60 Jahren nicht mehr in Richtung Stettin über das Stahlmonster. Die Gleise wurden mit Abriss des Stettiner Fernbahnhofs (heute Nordbahnhof) 1952 abgerissen. Rost bedeckt das Baudenkmal, Bäume wachsen zwischen den Stahlträgern. Außer den NVA-Soldaten im früheren Grenzstreifen kam Jahrzehnte niemand ran von südlicher Seite, und auch 23 Jahre nach dem Mauerfall endet der 2009 eröffnete Park am Nordbahnhof vor einem Zaun.

Genau an dieser Stelle hat Antje Henning vom Bürgernetzwerk "Grünzüge für Berlin" Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler jetzt eine Petition mit 310 Unterschriften in die Hand gedrückt. Der Senat soll die Brücken restaurieren und als Grünverbindung für Fußgänger und Radfahrer zum Humboldthain ausbauen. Gaebler nahm die Idee vom Brückenschlag, auch dem zwischen den einstigen Stadthälften, wohlwollend zur Kenntnis, verwies auf die Bahn als Eigentümer der Stahlruine und die leeren Landeskassen und verschwand.

Landschaftsarchitekt Harald Fugmann, der den Nordbahnhofpark gebaut hat, hatte bereits 2005 detaillierte Pläne für eine Wegeverbindung über die Liesenbrücken und das brachliegende Gleisbett zum 600 Meter entfernten Humboldthain gezeichnet. Bisher blieb das genauso eine Vision wie der Plan eines Architekten, auf der Liesenbrücke ein Hotel zu bauen. Neuen Schwung in die Brückenöffnung könnte Energieberater Christian Diebold von der Solarfirma Solum bringen. Um den Technologiepark Humboldthain (TPH) aufzuwerten, hat Diebold im Auftrag des Bezirksamtes ein Nutzungskonzept erstellt, das weit über eine Grünverbindung hinausgeht.

Er will die Brücke zum "Eingangstor zum Technologiepark" machen und einen "Innovationspfad für pädagogische Zwecke und zur Selbstdarstellung des Technologieparks" schaffen, heißt es in der Studie. An etwa sieben Themenstationen könnte man in der Technikausstellung auf der Brücke und entlang der einstigen Gleise Industriegeschichte darstellen; von der industriellen Revolution bis hin zu Hightech-Solarzellen und dem zukünftigen Energiezeitalter. In einem Infopavillon sollen sich die TPH-Firmen präsentieren. Brücke und Lehrpfad sollen, so Diebold, mit modernster LED-Technik beleuchtet und inszeniert werden. Die Solarfirma hat das Projekt kostenlos entwickelt und hofft auf einen späteren Zuschlag. Das Grünzüge-Bündnis sucht Sponsoren, um Gutachten und weitere Planungen zu finanzieren. Die Bahn hat bisher nicht mal erlaubt, dass jemand ihre Brücke statisch untersuchen darf.


Dirk Jericho / DJ
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