Blinde kreieren mithilfe von Experten ihr Parfüm

René Koch veranstaltete mit der Parfümdesignerin Nanne Bailey, Monika Ferdinand, Vorsitzende des Bundesverbandes deutscher Kosmetikerinnen, sowie der City Stiftung Berlin ein Parfüm-Seminar.

Berlin. "Eine Frau, die kein Parfüm benutzt, hat keine Zukunft - es eilt ihr voraus und ist noch da, wenn sie bereits gegangen ist." So sehen es die berühmten französischen Parfümkreateure, "Les Nez" genannt, die ihr Riechorgan als Arbeitsinstrument verwenden.

So ein professioneller Parfümschnüffler kann rund 2000 verschiedene Duftstoffe unterscheiden. Dafür stehen ihm rund 10 Millionen Riechzellen zur Verfügung, die auf drei bis vier Quadratzentimetern der Nasenschleimhaut verteilt sind. Dabei löst bereits ein einziges Duftmolekül ein Signal aus, das sofort ins Gehirn weitergeleitet wird. Dort wird nicht nur entschieden, ob etwas gut riecht oder nicht. Es werden auch Verbindungen von Gerüchen und Erlebnissen hergestellt und gespeichert. Jeder von uns kennt es: Ein unverwechselbarer Duft strömt in unsere Nase und Erinnerungen, Träume oder Sehnsüchte werden wach. Da blinde Menschen mehr als sehende auf ihren Geruchssinn angewiesen sind, ist dieser bei ihnen besonders ausgeprägt. Das konnte eine Gruppe blinder, kosmetikinteressierter Frauen vor Kurzem beim Parfüm-Seminar im Lippenstiftmuseum Berlin unter Beweis stellen. Da wurde geschnuppert, gerührt, geschüttelt und kreiert, was die Parfümorgeln zu bieten hatten. Übrigens, eine einzige davon besteht aus 120 Duftessenzen von Blüten, Gräsern, Hölzern und vielem mehr. Also für die blinden Teilnehmerinnen eine große Herausforderung, den perfekten Mix zu finden. Diesem, ihrem selbst kreierten Parfüm-Unikat, gaben sie anschließend so klangvolle Namen wie "My Touch", "Tango Puro" oder "Fire of Love". Am Ende waren sich alle einig: Parfüm braucht kein Licht, es duftet auch im Dunkeln. Solche Parfüm-Seminare gibt es auch für Sehende, denn gut riechen möchten alle.

Hier gibt René Koch Tipps für den weihnachtlichen Parfüm-Einkauf:

1. Parfüm-Werbung vorher vergleichen. Was spricht an?

2. Nichts kaufen, weil "alle" es kaufen.

3. Der Flakon muss auch gefallen, sonst nimmt "frau" ihn später ungern zur Hand.

4. Nie mehr als 5 Düfte schnuppern, Pause einlegen.

5. Die Nase zwischendurch neutralisieren. Das geht am besten mit Kaffeebohnen.

6. Duft nach Ansprühen nicht reiben. Eher warten, bis dieser sich von selbst entwickelt hat.

7. Duft auf die Haut sprühen ist besser als auf die Kleidung. Ein guter Parfümträger sind Haare.

8. Duft, Bodylotion, Badezusatz usw. sollten aus einer Duftfamilie sein.

9. Stress vermindert das Geruchsvermögen. Also entspannt einkaufen gehen. 10. Eau de Toilette eignet sich eher für den Tag, Eau de Parfum für den Abend.

Das Lippenstiftmuseum Berlin by René Koch, Helmstedter Straße 16, ist nach Anmeldung geöffnet: 854 28 29, www.lippenstiftmuseum.de

Manuela Frey / my
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