BVV will einen Weihnachtsmarkt, Denkmalschützer nicht

Der Nostalgische Weihnachtsmarkt am Opernpalais muss umziehen. (Foto: Nostalgischer Weihnachtsmarkt)

Mitte. Der Nostalgische Weihnachtsmarkt rund um das Opernpalais Unter den Linden kann wegen der U5-Baustelle dort nicht stattfinden. Den Ersatzstandort im Lustgarten lehnt das Bezirksamt ab.

Genehmigungsknatsch und Gebührenstreit. Schon seit Jahren kracht es zwischen den Behörden und dem Duisburger Marktbetreiber Joseph Nieke. Vor allem die CDU hat sich für Niekes Budenzauber mit Kunstgewerbe, Handwerkergassen und nostalgischem Riesenrad immer ins Zeug gelegt und auf den damaligen SPD-Baustadtrat Ephraim Gothe herumgehackt. Doch jetzt ist der für die Genehmigung zuständige Baustadtrat CDU-Mitglied. Und Carsten Spallek hat den favorisierten Ausweichstandort an der westlichen und südlichen Seite des Lustgartens abgelehnt. Diesmal krakeelt die SPD-Fraktion am lautesten und fordert "eine Revidierung der willkürlichen Entscheidung der Denkmalschutzbehörde", so der wirtschaftspolitische Sprecher, Stefan Draeger.

Nieke will seine besinnliche Variante des Budenzaubers direkt an der Spree unter der Baumallee und auf dem breiten Streifen entlang der Straße Unter den Linden gegenüber der Humboldtbox aufbauen. Die BVV ist mehrheitlich dafür und hat mit den Stimmen der SPD, CDU und Grünen das Bezirksamt aufgefordert, den Weihnachtsmarkt zu genehmigen.

Geht nicht, sagt Spallek, weil das Landesdenkmalamt (LDA) nicht zustimmt. Das Gartendenkmal Lustgarten sei Pufferzone zum Weltkulturerbe Museumsinsel und besonders geschützt. Für Bürgermeister Christian Hanke (SPD) sind die denkmalpflegerischen Gründe der LDA-Absage "nachvollziehbar", wie es in der Bezirksamtsvorlage heißt. In der Begründung werden auch "zu befürchtende Schäden der Bäume" und "hygienische Bedenken wegen des Untergrundes" genannt. CDU-Fraktionschef Thorsten Reschke kann das Verbot überhaupt nicht nachvollziehen. "In anderen Städten gibt es auch Weihnachtsmärkte vor Baudenkmälern", sagt er. Die Strandbar im Monbijoupark gegenüber der Museumsinsel und der Trödelmarkt auf der anderen Spreeseite am Zeughaus seien auch möglich. "Vorschriften oder Gesetze, die ein Verbot rechtfertigen, gibt es nach Recherchen der SPD-Fraktion nicht", so Stefan Draeger. "Im Lustgarten gab es bereits 1873 den ersten Weihnachtsmarkt", betont der SPD-Mann und führt sogar die DDR an, in der "diese Tradition wieder aufgegriffen wurde." Bei der Sanierung des Lustgarten in den 90er Jahren wurden Wasser- und Stromanschlüsse und eine Tülle für einen Weihnachtsbaum gebaut, "die seitdem noch nie genutzt wurde", wundert sich Draeger. Joseph Nieke klagt gegen die Entscheidung der Behörde. Seinen Nostalgischen Weihnachtsmarkt macht er diesen Winter auf der privaten Grünfläche am Schinkelplatz hinter der Alten Kommandantur. Statt 220 Stände wird es laut Nieke nur noch 160 geben. Das Bezirksamt verzichtet durch die Ablehnung auf bis zu 100 000 Euro Gebühren, wie Nieke sagte. Das Straßenamt hatte als Ersatz das Kulturforum und den Washingtonplatz vor dem Hauptbahnhof angeboten. Dort könne man einen Markt nicht wirtschaftlich betreiben, so Stefan Draeger, der "auf Einsicht der Behörden hofft.


Dirk Jericho / DJ
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