DDR Museum: Trabifahren als Computerspiel

Haben die Trabifahrt programmiert: Toni Seifert, Uwe Nadler und Hans Bauer (von links) von der Dresdner Filmproduktionsfirma ravr film. (Foto: Dirk Jericho)

Mitte. Im DDR Museum in der Karl-Liebknecht-Straße 1 kann man jetzt mit einem originalen Trabant P 601 Deluxe eine virtuelle Spritztour durch eine Marzahner Plattenbausiedlung unternehmen.

Der Trabi steht schon seit Jahren im privaten DDR Museum. Doch jetzt können Besucher in der Rennpappe auch den Zündschlüssel rumdrehen und so eine 3D-Simulation starten, die auf die Windschutzscheibe projiziert wird. Gas, Bremse, Lenkung - alles funktioniert wie in einem Fahrsimulator. Aus den Lautsprechern kommt das typische Knattergeräusch des Zweitakters, das die Programmierer der Dresdner Firma ravr film eigens bei Trabifahrten aufgenommen haben. Spieleprogrammierer Toni Seifert hat eine 60. 000 Quadratmeter große Plattenbauwelt mit Marzahntypischen WBS 70 Häusern entworfen. Man fährt durch leere Wohngebietsstraßen, vorbei an Schulen, Kitas und Kaufhallen. Am Straßenrand parken in dem virtuellen Parcours 114 Trabis in papyrusweiß, gletscherblau oder biberbraun. Wenn man sie rammt - und das machen die Touristen mangels anderer Herausforderungen gern - knallt es ein wenig und weiter gehts. Die Lenkung geht butterweich; das echte Trabifeeling ohne Servounterstützung haben die Entwickler nicht nachempfunden. Nach drei Minuten ist das "Spiel" zu Ende, weil der Tank leer ist. Dreht man den Zündschlüssel erneut rum, startet die Simulation von vorn. Toni Seifert hat die Zwangspause so programmiert, damit die Besucher nicht stundenlang in dem Trabi sitzen und andere auch mal durch die Marzahnwelt brettern können.

Das DDR Museum hat sich die nach eigenen Angaben "weltweit einzigartige Trabi-Simulation" 40 000 Euro kosten lassen. Unterstützt wurden die Dresdner Programmierer von weiteren Projektpartnern wie dem Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut (HHI), das die Technik für die Rückprojektion auf die gekrümmte Windschutzscheibe geliefert hat. Silvain Renault, Informatiker am Heinrich-Hertz-Institut und dort zuständig für interaktive Grafiken und virtuelle Realitäten, hat das Know How für die Trabi-Simulation geliefert. Im HHI am Einsteinufer gibt es mit dem Time Lab eine 180 Grad Projektionswand.

Für ein mögliches Update seiner programmierten Plattenbauwelt will Toni Seifert vielleicht ein paar Menschen in das Fahrspiel einbauen. Bisher hat er darauf verzichtet, damit niemand "verletzt" wird.


Dirk Jericho / DJ
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