Denkmalstiftung will Stelenfeld künftig besser schützen

Die Denkmalstiftung will das Holocaust-Mahnmal bei Großveranstaltungen am Brandenburger Tor besser schützen. (Foto: Dirk Jericho)

Mitte. Die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas will schon zur Fanmeile der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer einen temporären Zaun um das Stelenfeld ziehen. Hintergrund sind Vorkommnisse in der Silvesternacht.

Ein Mann steht auf einer Stele und uriniert herunter. Junge Leute grölen im Stelenfeld, prosten sich zu und zünden Böller und Raketen von den Betonquadern. All dies hat der freie Journalist Colin Cortbus in der Silvesternacht gefilmt und darüber am 5. Januar auf der israelischen Nachrichtenplattform Arutz Sheva unter der Überschrift "Deutsche Hooligans schänden Berliner Holocaust-Mahnmal" berichtet. Auf der Internetseite www.israelnationalnews.com hat Cortbus sein vier Minuten und 19 Sekunden langes Youtube-Video eingefügt. Uwe Neumärker, Direktor der Denkmalstiftung, ist "erschrocken über die Vorfälle der vergangenen Silvesternacht", wie es in einer Stellungnahme zu den Vorkommnissen vom 9. Januar heißt. Es habe schon mehrere Vorfälle in den letzten Jahren im Stelenfeld gegeben, aber diese Situation sei "bislang einzigartig".

Die Stiftung will das Mahnmal zukünftig besser schützen. Weil die in der Silvesternacht auf sechs Mitarbeiter verstärkten Streife des Sicherheitsdienstes die unwürdigen Exzesse im Denkmal nicht verhindern konnte, soll bei kommenden Großveranstaltungen am Brandenburger ein kompletter Zaun um das Stelenfeld gezogen werden. "Das sind erste Überlegungen, entschieden ist noch nichts", sagte Stiftungssprecherin Jenifer Stolz. Die Stiftung werde sich in den nächsten Tagen mit der Polizei und dem Sicherheitsdienst zusammensetzen und "versuchen zu klären, wie es zu den Geschehnissen kommen konnte", heißt es in der Stellungnahme. Wenn ein Zaun bei Partys wie zur Fußball-WM-Fanmeile im Sommer aufgestellt wird, soll er jedoch nur zeitweise stehen. "Eine dauerhafte Umzäunung ist nicht geplant", sagte Jenifer Stolz. Die Stiftung möchte auch, dass außerhalb des Veranstaltungsgeländes am Brandenburger Tor zusätzliche WCs aufgestellt werden. Bereits zum Jahreswechsel 2005/2006 wurde das Holocaust-Mahnmal mit sogenannten Hamburger Gittern an den Seiten zur Partymeile am Brandenburger Tor gesichert. Auch in diesem Jahr lag das Stelenfeld im Sicherheitsbereich der Festmeile. Zahlreiche Polizisten kontrollierten das Gebiet. Dass einige Feierwütige im Stelenfeld ihre Silvesterknallerei veranstalteten und sich unflätig verhielten, haben sie nicht verhindert.


Dirk Jericho / DJ
0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.