Die Kirchliche Telefonseelsorge hilft in Krisenzeiten

Brigitte Schwanitz ist eine von 140 ehrenamtlichen Mitarbeitern der Kirchlichen Telefonseelsorge. (Foto: C. Marconi)

Berlin. Als Brigitte Schwanitz zum ersten Mal bei der Kirchlichen Telefonseelsorge Berlin-Brandenburg anrief, suchte sie verzweifelt nach Hilfe. Es war in der Wendezeit. Sie hatte eine Scheidung hinter sich, sie kämpfte mit der Arbeitslosigkeit und steckte in einer tiefen Krise.

"Die Gespräche mit der Telefonseelsorge haben mir damals sehr geholfen", erinnert sich Brigitte Schwanitz. Inzwischen sitzt sie selbst am anderen Ende der Leitung und hat ein offenes Ohr für Menschen, die auf ihre Hilfe angewiesen sind. Die 68-Jährige fing vor 13 Jahren mit der ehrenamtlichen Tätigkeit bei der Kirchlichen Telefonseelsorge an und erhielt vor Kurzem für ihr Engagement die Bürgermedaille des Bezirks Lichtenberg. Schwanitz gehört zu über 140 ehrenamtlichen Mitarbeitern, die etwa 90 Anrufe täglich rund um die Uhr beantworten. Sie sind meist die erste Anlaufstelle, wenn es jemandem schlecht geht. "Wir hören zu, halten die Krise mit aus, fangen auf, soweit es geht. Manchmal sind wir auch Ideengeber für den nächsten Schritt", erläutert Uwe Müller, Leiter der ökumenischen Einrichtung, die 1988 noch zu Ostzeiten an den Start ging.

Zur Gründung der Telefonseelsorge hatten sich fünf kirchliche Träger zusammengeschlossen. Neben der katholischen und evangelischen Kirche waren es die evangelischen Freikirchlichen Gemeinden, der Caritasverband und das Diakonische Werk. Dank dieser Träger überstand die Telefonseelsorge auch die Wende und konnte kontinuierlich für Menschen in seelischen Nöten da sein.

Uwe Müller ist froh über jeden Freiwilligen, der bereit ist, anderen zu helfen. Gearbeitet wird in Vier-Stunden-Schichten, Tag und Nacht. Die beiden Telefonleitungen ( 0800-111 02 22 und 0800-111 01 11) sind 24 Stunden besetzt. Auch zu Weihnachten, wobei sich eher vor und nach den Feiertagen die Anrufe häufen. "Weihnachten ist so überfrachtet mit Erwartungen, da ist Streit oft programmiert", weiß Müller.

Die Seelsorger müssten einiges aushalten können, nicht nur an den Feiertagen. Brigitte Schwanitz kann besonders gut nachvollziehen, was in den meisten Anrufern vorgeht. Schließlich ging es ihr ja mal selbst so schlecht, dass sie froh war, jemandem am Telefon ihr Herz ausschütten zu können. Durch ihre Arbeit bei der Telefonseelsorge will sie etwas zurückgeben, "als Dank für die Unterstützung, die ich bekommen habe". Sie weiß, dass die Menschen aus sehr unterschiedlichen Gründen anrufen. "Die Telefonseelsorge ist ja nicht nur für Suizidgefährdete da, sondern für alle Menschen, die in einer Krise stecken und jemanden zum Reden brauchen." In den meisten Fällen gehe es um Beziehungsprobleme, Arbeitslosigkeit, Vereinsamung, Sucht oder psychische Belastung.

Manchmal würde Brigitte Schwanitz gerne wissen, wie es beim Anrufer nach dem Telefonat weitergeht. Konnte sie wirklich helfen? Es nicht zu erfahren, kann belastend sein. Aber das sei nun mal notwendig, um die Anonymität zu wahren.

Die Anrufe sind kostenlos. Was jedoch nicht heißt, dass man von Laien Unterstützung erhält. Alle Ehrenamtlichen haben eine anspruchsvolle Ausbildung zum Telefonseelsorger hinter sich, die 228 Stunden dauert und über sieben Wochenenden geht. Der nächste Kurs beginnt am 1. Februar 2013. Bewerber sollten über 25 Jahre alt sein und über emotionales Verständnis verfügen.

Interessenten können sich noch bis Ende des Jahres in der Geschäftsstelle unter 440 30 82 24 oder im Internet www.telefonseelsorge-berlin-brandenburg.de zum Auswahlverfahren anmelden.

Carla Marconi / C. Marconi
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