Einsichten in die Methoden des DDR-Geheimdienstes

Manches aus dem Arsenal des Ministeriums für Staatssicherheit entging der Zerstörung und wird jetzt im Stasi-Museum gezeigt. (Foto: Caspar)

Lichtenberg. Wer wissen möchte, welcher Foto-, Abhör- und Schnüffeltechnik sich die Staatssicherheit bediente und woher die Geräte stammten, ist im Haus 1 des Mielke-Ministeriums an der Ruschestraße genau richtig.

Die mit vielen, heute schon ein wenig antiquiert erscheinenden Exponaten bestückte Ausstellung dokumentiert die Verbrechen des Ministeriums für Staatssicherheit von der Überwachung der eigenen Bevölkerung bis zu Diversionsakte im feindlichen Ausland und der Liquidierung von Abtrünnigen und anderen missliebigen Personen. 1989/90 wurden nicht alle beispielsweise in Handtaschen, Aktenkoffern, Gießkannen, Vogelhäuschen, Lippenstiften oder Füllfederhaltern versteckten Minikameras und "Wanzen" vernichtet. Das gilt auch für die zum Fälschen von Pässen und anderen Dokumenten eingesetzten Stempel oder für Nachschlüssel zum heimlichen Öffnen von Wohnungen. Von diesen Hinterlassenschaften ist noch so viel Originalmaterial vorhanden, dass die vor einiger Zeit umgestaltete Ausstellung eindrucksvolle Stücke zeigen kann. Schaut man genau hin, dann sieht man, dass nicht alle Exponate Marke Eigenbau sind, sondern aus dem "kapitalistischen Ausland" stammen.

Eindrucksvoll sind die Dokumente darüber, wie das MfS oppositionelle Gruppen unterwandert hat, aber auch wie es verstand, nach einem genau festgelegten "Siebverfahren" inoffizielle Mitarbeiter anzuwerben und welche Dienste diese leisteten. Dass Vernehmer angewiesen wurden, äußerst penibel zu sein, wenn sie von Gefangenen Geruchsproben nahmen, unterstreicht die Ausstellung ebenfalls. So heißt es in einer Anweisung des mit dem MfS eng zusammenarbeitenden DDR-Ministeriums des Innern, dass die Verdächtigen nur mit ihrer eigenen Kleidung vorzuführen seien und die Stühle, auf denen sie gesessen haben und von denen mit Hilfe gelblicher "Staubtücher" Geruchsproben genommen wurden, mit 50 Grad Celsius heißem Wasser gereinigt werden mussten. Die "Kontaktzeit" müsse mindestens zehn Minuten dauern, und die Staubtücher seien nach der Prozedur in Gläsern fest zu verschließen.

Dass sich Stasi-Leute manchmal selber auf den Arm nahmen, zeigt eine Tafel mit Seiten aus einer "satirischen" Schrift zum Studienabschluss an der Juristischen Hochschule des MfS in Eiche-Golm bei Potsdam. Unter dem Motto "Wir sind überall" schildern stolze Absolventen in dem als Geheime Verschlusssache gezeichneten Festjournal, wie sie sich in unterschiedlichen Kostümen tarnen und mal als die berühmten vier Musketiere, mal als Pärchen im Heuwagen oder als harmlose Radler daher kommen, um an der "geheimen Front" für die Sicherheit des sozialistischen Staates zu sorgen.

Das Stasi-Museum, Ruschestraße 103, Haus 1, ist Montag bis Freitag von 11 bis 18 Uhr sowie am Wochenende und an Feiertagen von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt 4, ermäßigt 3 Euro. Anmeldung von Führungen unter 553 68 54.

Helmut Caspar / HC
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