Eltern am Arkonaplatz klagen ihre Kinder ins gewünschte Klassenzimmer

Mitte. Jugendpolitischer Paukenschlag: Das Verwaltungsgericht Berlin bestätigt einen Eilantrag, mit dem Eltern ihre Erstklässler trotz voller Belegung an begehrte Grundschulen in Alt-Mitte unterbringen wollten. Der Bezirk nimmt dies hin, hält aber am Platzvergabe-System fest.

Im Arkonakiez leben - aber in Gesundbrunnen lernen? Das schien acht Familien derart unzumutbar, dass sie beschlossen, für ihre Kinder Plätze an den beliebten Grundschule ihres Viertels gerichtlich zu erstreiten. Jetzt zeigt sich: Ihre Eilanträge haben Erfolg.So befand die neunte Kammer des Verwaltungsgerichts Berlin, dass den abgewiesenen Kindern Plätze in den Klassenzimmern vor Ort zustehen. Und dies, obwohl sie die Aufnahmebedingungen nicht erfüllten oder kein Losglück hatten.

Die Begründung des Gerichts: Der Weg vom Elternhaus bis zu den Schulen im Altbezirk Wedding, die noch freie Plätze haben, wäre zu weit. In einigen Fällen hätten die Entfernungen zwei, in anderen gar drei Kilometer betragen. Mehr als 45 Minuten wären die Kinder unterwegs. Damit sei der Zuschnitt der Einschulungsbereiche, die im Bezirk Mitte gelten, fehlerhaft, heißt es von Seiten der Justiz.

Für die acht Familien Grund zur Freude - für Mittes Schulstadtrat Ulrich Davids (SPD) ein Problem. "Wir fechten die Entscheidung des Gerichts aber nicht an", sagt Davids mit Blick auf eine Möglichkeit des Einspruchs. Zwar gebe es Regelungsbedarf, "doch wir werden das nicht auf dem Rücken der Kinder austragen. Da es sich nur um acht Fälle handelt, ist es für die Klassenstärken noch verkraftbar." Neuerliche Klagen befürchtet Davids nicht, da die Frist für weitere Versuche inzwischen abgelaufen ist.

Nun wird der Stadtrat mit der Senatsschulverwaltung sprechen und darauf drängen, die maximale Länge des Schulwegs in Zukunft exakt zu regeln. Die Angabe des Gerichts, welche Strecke zulässig ist, hält er für "zu schwammig."

Das Konzept, mehrere Grundschulen des Bezirks zu einem Sprengel zusammenzufassen, soll bestehen bleiben. So sind zum Beispiel begehrte Adressen wie die Grundschule am Arkonaplatz oder die Papageno-Schule mit weniger gefragten Schulen in Gesundbrunnen zusammengefasst, so dass eine soziale Durchmischung begünstigt wird.


Thomas Schubert / tsc
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