Grüne protestieren gegen Baumfällungen

2012 wurden zwei alte Blutbuchen vor dem Naturkundemuseum gefällt. Sie galten wegen Brandkrustenpilzbefall als umsturzgefährdet. (Foto: Dirk Jericho)

Mitte. Die Grünen in der BVV und der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele werfen dem Bezirksamt vor, Bäume vorschnell zu fällen und Anwohner zu spät zu informieren.

16 Bäume in der Flottwellstraße, 27 Bäume in der Lessingstraße, acht im Volkspark Rehberge. Derzeit häufen sich Baumfällungen. Die Grünen monieren, dass der Bezirk Anwohner zu spät informiert und dadurch ein "Überprüfen der Vorgänge nicht möglich ist". Christian Ströbele, als Anwohner von der Fällung von sieben Bäumen am Holsteiner Ufer betroffen, hatte am 6. März beim zuständigen Stadtrat sowie beim Wasser- und Schifffahrtsamt den sofortigen Stopp der Fällaktion gefordert, "weil die Fällungen ohne Zustimmung und Kenntnis der Anwohner durchgeführt wurden und weniger gravierende Maßnahmen zunächst geprüft werden müssen", erklärte Ströbele.

Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) wies die Vorwürfe als "falsch" zurück. Die Baumkontrolleure hätten die Fällentscheidungen getroffen, um Sach- und Personenschäden zu verhindern. Gesunde Bäume wurden nicht gefällt.

Wenn die Experten bei der sogenannten Baumschau feststellen, dass die Bäume krank, abgestorben und umsturzgefährdet sind, müsse unverzüglich gehandelt werden. "Eine Zustimmung oder Mitwirkung von Anwohnern ist hier weder erforderlich noch sinnvoll", sagt Spallek.

"Kein Baum wird einfach so gefällt", erklärt auch Wolfgang Leder, Leiter des Baumreviers. Zehn "hochqualifizierte Gärtner und ausgebildete Baumkontrolleure" gucken sich regelmäßig Bäume im Bezirk an. Nach einer Checkliste überprüfen sie den Zustand und dokumentieren ihr Ergebnis in einem Baumkataster, das seit 15 Jahren mit Daten gefüttert wird. In fünf Jahren werden alle Bäume erfasst sein.

Ist der Befund nicht eindeutig, veranlasst der Experte weitere Untersuchungen wie Probebohrungen in Wurzel oder Stamm. Erst wenn sicher ist, dass der Baum durch Pilzbefall oder Totholz so geschädigt ist, dass er umzustürzen droht, kommen die Sägetrupps.

"Die Leute sehen manchmal eine helle Schnittstelle und denken, der Baum war gesund", sagt Leder. Doch oft liege das Problem im Wurzelbereich unter der Erde, was man erst bei Bohrungen erkennt.

Trotz intensiver Kontrollen stürzen "ein bis zwei Bäume jährlich um", erläutert Leder. Ein Mal gab es einen tödlichen Unfall, ansonsten ist noch nie etwas passiert. 1990 wurde in der Liesenstraße ein LKW-Fahrer von einem Baum erschlagen. Die Ulme war im Gewittersturm umgeknickt und auf das Führerhaus gekracht, in dem der Mann geschlafen hatte.


Dirk Jericho / DJ
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